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Marissa Mayer hat derzeit alle Hände voll zu tun. Die ehemalige Google -Managerin soll den angeschlagenen Internetpionier Yahoo retten. Daneben hat die neue Konzernchefin noch ein weiteres hilfsbedürftiges Wesen zu versorgen: Die 37-Jährige brachte vor zwei Monaten ihr erstes Kind, Sohn Macallister Bogue, zur Welt.
Zwei Wochen Babypause gönnte sich die ehrgeizige Managerin. Seither rotiert sie wieder emsig - im Hintergrund. Mehr als ein unscharfes Foto mit dem kleinen Macallister im Chilischoten-Partnerlook, das sie zu Halloween per Twitter verbreitete, war von Mayer bislang nicht zu sehen. Ihren ersten Auftritt inszenierte sie am Dienstagabend beim Abendessen der "Fortune Most Powerful Women" in Palo Alto. Im Kreise der Topmanagerinnen gab sie ihr erstes Interview seit Amtsantritt im Juli. Ein Rahmen ganz nach dem Geschmack der Stanford-Absolventin mit dem glamourösen Lebensstil, dem Faible für Designerkleidern und ausgefallenen Partys.
Den rund 100 Zuhörern im Garden Court Hotel vermittelte Mayer eine gänzlich unprätentiöse Haltung. Was ihr wichtig sei im Leben? "Ich denke, für mich sind das Gott, Familie und Yahoo - in dieser Reihenfolge", sagte Mayer. Wie kriegt sie alles unter einen Hut? Klare Antwort: unbarmherzig Prioritäten setzen.
Ein paar davon hat sie bereits abgearbeitet: Sie hat ihre Führungsmannschaft aufgebaut und poliert das Image des gealterten Internetpioniers, um wieder attraktiv für neue Mitarbeiter zu sein. Zudem pflegt sie den gebeutelten Aktienkurs mit Rückkäufen; am Montag stand das Papier mit 19 Dollar so gut wie seit zweieinhalb Jahren nicht.
Der nächste große Punkt auf ihrer Agenda: Yahoo soll zu einem unverzichtbaren Dienst für Smartphone-Nutzer werden. E-Mails, Wetter, Aktienkurse und Nachrichten - das sind für die Managerin, die bei Google für das Suchmaschinengeschäft verantwortlich war, essenzielle Informationen, die Nutzer ständig über ihr Handy abrufen wollen. "Das ist eine riesige Chance für uns, denn wir haben diese Inhalte", so Mayer.
Außerdem hat Yahoo nach wie vor 700 Millionen Nutzer weltweit. Nur müssen die noch dazu bewegt werden, dass sie die Yahoo-App ähnlich intensiv wie andere Miniprogramme auf ihren Handys nutzen. Das Problem: Momentan gibt es einen Wust von 76 verschiedenen Yahoo-Apps für Android- und Apple -Geräte.
Mayer weiß, dass sie Yahoo nicht von heute auf morgen fit machen kann, und räumt selbst ein: Das kann Jahre dauern. Vor ihr scheiterte ein Vorstandschef nach dem anderen beim Versuch, einen Neustart hinzubekommen und den Bedeutungsverlust des Konzerns aufzuhalten. "Das Unternehmen hat turbulente Zeiten mit andauernden Ablenkungen hinter sich. Jetzt arbeiten wir hart daran, die Leute an all die Chancen zu erinnern, die wir haben", so Mayer.
Sie selbst nimmt sich neben Gott, Kind und Yahoo zwischendurch noch etwas Zeit für Barack Obama. Nach dem Abendessen in Palo Alto jettete die Computerwissenschaftlerin an die Ostküste zu einem Treffen mit dem US-Präsidenten. Sie zählte zu seinen eifrigsten Spendensammlerinnen während des Wahlkampfs und ist am Mittwoch in Washington zu einem Gespräch über die drohende Fiskalklippe eingeladen.
Möglich, dass die beiden am Rande etwas Zeit zum Plaudern finden über ihren kleinen Konkurrenzkampf: Das Magazin "Time" hat am Montag die Liste der Nominierten für die Auszeichnung zur "Person of the Year" veröffentlicht. Obama und Mayer sind beide im Rennen. Der Sieger wird am 14. Dezember gekürt.
Interviews mit der Yahoo-Chefin werden trotzdem rar bleiben, das hat sie beim Dinner in Palo Alto schon klargestellt: "Nach heute Abend werde ich wieder aufhören zu reden."