FTD: Herr Schmitt, Ihr Buch "Status-Spiele" ist ja ganz interessant. Aber eigentlich ist das Konzept, das Sie darin entwerfen, doch Küchenpsychologie. Tom Schmitt (zögert): Ich glaube nicht, dass das Küchenpsychologie ist. Wenn ich meine Seminarteilnehmer frage, sagen alle, das Konzept bringt es auf den Punkt. Es scheint also etwas dran zu sein. FTD: Gut pariert! Ich wollte Sie mit meiner provozierenden Feststellung herabwürdigen – Sie würden sagen: "in einen tieferen Status versetzen". Sie haben sich aber nicht darauf eingelassen. Schmitt: Na ja, wenn man ein Buch über Status schreibt, sollte man ein bisschen damit spielen können. Immerhin beschäftige ich mich mit dem Thema seit über 30 Jahren. FTD: Ihr Konzept besagt, dass man sich nicht damit abfinden soll, von Kollegen oder Vorgesetzten kleingemacht zu werden. Der Mitarbeiter soll sich seiner Ziele bewusst werden und sie auch verfolgen. Die Position, die er dabei einnimmt, nennen Sie Status.
Schmitt: Genau. Es gibt Hochstatus-Typen, sprungbereite Bestimmer, die kompromisslos ihren Weg gehen, und Tiefstatus-Typen, die sich für andere aufopfern und sich nicht durchsetzen. FTD: Warum schaffen es die meisten Menschen nicht, ihren Status aufzuwerten? Schmitt: Weil sie Konflikten lieber aus dem Weg gehen. Am Wochenende habe ich ein Seminar geleitet, auf dem sich eine Frau bitterlich darüber beschwerte, dass ihr Chef sie von oben herab behandele. Sie war so bemüht, es allen recht zu machen FTD: Und was haben Sie ihr geraten? Schmitt: Wenn der Chef sagt: "Der Kaffee ist alle", nicht sofort aufzuspringen und neuen zu holen, sondern zu sagen: "Da hinten steht frischer." Es geht darum, die Spielregeln im Umgang mit anderen Menschen zu beherrschen und sie auch selbst zu gestalten. Viele meinen, es würde um die Sache gehen, aber oft geht es nur um Positionen. Das Montagmorgen-Meeting dient in vielen Firmen allein dazu, dass der Chef seine Leute zusammenfaltet. Man kann sich vor Enttäuschungen schützen, wenn man erkennt, dass das bloß ein Ritual ist.
Teil 2: Nicht beim Chef üben, sondern an der Käsetheke