20 Windkraftanlagen liefert die Rostocker Firma Nordex in die Türkei. In der Nähe von Izmir baut der Turbinenhersteller die bestellten Windräder auf. Mit einer Nennleistung von jeweils 2,5 Megawatt sollen sie ab Herbst 2013 im Windpark Zeytineli Strom produzieren. Möglich ist das 40-Millionen-Euro-Projekt, weil die Bayern-LB dem türkischen Besteller einen Kredit gibt, abgesichert durch eine staatliche Hermesdeckung, die vor Zahlungsausfall schützt.
"Investitionsgütergeschäfte werden im Regelfall zu 85 Prozent des Auftragswerts mit einer Hermesdeckung abgesichert," sagt Herbert Schupeck von der Stuttgarter Wirtschaftsprüfergesellschaft Binder, Hillebrecht und Partner (BHP). Die nicht gedeckten 15 Prozent verlangt der Exporteur als Anzahlung. In Deutschland übernimmt die staatliche Euler-Hermes-Kreditversicherung. Die Tilgung der Kredite erfolgt üblicherweise in Halbjahresraten, sobald Maschinen und Anlagen laufen.
Beim mittelständischen Metallbauer Habdank kennt man diese Art der Finanzierung. Das auf Unterkonstruktionen für Solarparks spezialisierte Unternehmen mit Sitz in Göppingen kämpft aktuell um einen Millionenauftrag in Puerto Rico. Das dort geplante 40-Megawatt-Sonnenkraftwerk kostet rund 70 Mio. Euro. Seinen Auftragsanteil will Habdank-Geschäftsführer Oliver-Charles Matthes über Bankbürgschaft und Akkreditiv absichern. Ihm täten staatlich geschützte Geschäfte gut. "Sie würden dem Mittelstand den Export erleichtern", sagt der Betriebswirt. Gerade wenn es um aufstrebende Märkte wie die Türkei oder eben Süd- und Mittelamerika gehe, scheiterten Geschäfte mit regenerativen Energieerzeugern nicht nur am Klima oder den geologischen Bedingungen. "Sondern leider auch am Finanzierungsspielraum der Importeure."
Denn vor allem in Portugal, Spanien oder Italien seien die Kredite für die Betriebe sehr teuer. Hintergrund ist zum einen die Euro-Krise, zum anderen zwingt Basel III die Banken, mehr Eigenkapital zurückzulegen. Was wiederum die Zinsen für Investitionskredite in die Höhe treibt.
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In diese Bresche springt etwa die KfW-Ipex-Bank. Sie bietet speziell dem Mittelstand einen kleinen Bestellerkredit an. Abgewickelt wird dieser von einem kanadisch-luxemburgischen Joint Venture mit dem Namen Northstar Europe. Geschäftsführer Matthias Wietbrock beschreibt die Rahmenbedingungen: Mit einer Laufzeit zwischen zwei und fünf Jahren und einem Kreditvolumen ab 0,5 bis zu 5 Mio. Euro sei der kleine Bestellerkredit ideal für Small-Ticket-Exporte.
Im Normalfall bietet ein deutscher Maschinenbauer bereits beim Verkauf seiner Anlage dem Importeur an, bei KfW Ipex einen Kredit zu beantragen. Die prüft die Bonität des Importeurs und gibt die Anfrage zur Abwicklung an Northstar Europe weiter. Der Käufer erhalte so günstige Zinsen, die allerdings nach Land und Risiko variieren und zwischen sechs und fünfzehn Prozent liegen. Zum anderen belastet ein Kredit, den der Importeur bei Northstar Europe beansprucht, seine bestehende Linie nicht - ähnlich wie bei einem Leasinggeschäft.
Doch bisher kommt die Nachfrage nach dem kleinen Bestellerkredit nur langsam in Schwung. Seitdem KfW Ipex ihn vor drei Jahren auf den Markt brachte, hat die Bank bisher für rund 50 Mio. Euro Kredite an ausländische Käufer deutscher Anlagen und Maschinen vergeben. Das Geschäftsvolumen liegt im Schnitt bei 1 Mio. Euro. Auch die auf Exportgeschäfte spezialisierte AKA Bank in Frankfurt finanziert ähnlich wie die KfW. Doch auch bei diesem Kreditinstitut, zu dem 19 Gesellschaften gehören, darunter die Postbank, die Deutsche Bank und die SEB, fragen Betriebe kaum kleine Exportkredite nach.
Für Finanzexperte Schupeck ist dies nicht nachvollziehbar. Gerade jetzt, wo deutsche Maschinenbauer vermehrt Geschäfte in Europa und den Anrainerstaaten abwickeln wollen, wäre die Absicherung durch einen staatlich gedeckten Kredit ein zusätzliches Verkaufsargument. Denn oft hätten ausländische Käufer zwar gute Bonitäten, "immer wieder scheitern aber Verkäufe am restriktiven Geschäftsgebaren ausländischer Banken", sagt der Wirtschaftsprüfer.