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Merken   Drucken   26.04.2012, 13:50 Schriftgröße: AAA

Nachfolger von Jürgen Kluge: Der Neue bei Haniel

Stephan Gemkow hat schon immer mehr sein wollen als ein reiner Finanzexperte. Jetzt springt er an die Spitze von Haniel - und muss den von Streit gepeinigten Ruhr-Konzern befrieden.

An diesem Wochenende kommen in Duisburg wieder alle zusammen, die den Namen Haniel tragen oder zumindest mal trugen: die Haniels, die von Buchholtz', die Dürckheims, all diejenigen der mehr als 600 Mitglieder der Industriellenfamilie von der Ruhrmündung, die sich für den Clan und den Gang der Geschäfte interessieren. Da passt es gut, dass Familienoberhaupt Franz Markus Haniel gerade rechtzeitig einen Erfolg vermelden kann. Es könnte - endlich - das Ende der derben Streitereien sein, die im Herbst das halbe Haniel-Reich führungslos hinterlassen hatten.

Stephan Gemkow   Stephan Gemkow

"Die Familie und der Aufsichtsrat freuen sich, dass wir Stephan Gemkow für Haniel begeistern können", ließ sich der 57-Jährige in einer am Mittwoch verschickten Firmenmitteilung zitieren. "Mit ihm haben wir einen herausragenden Manager für den Posten des Vorstandsvorsitzenden gefunden, der es versteht, aus einer Holding heraus unterschiedliche Unternehmen zu führen." Das ist wichtig, denn zu Haniel, dem 27,4-Mrd.-Euro-Umsatz-Konzern, gehören etwa der Pharmagroßhändler Celesio oder eine Beteiligung an Metro.

Gemkow, bislang Lufthansa-Finanzvorstand, soll helfen, die Wunden zu heilen, die Noch-Chef Jürgen Kluge und sein Vorgänger Eckhard Cordes geschlagen haben: Kluge hatte im Herbst Metro -Chef Cordes an der Spitze der wichtigsten Haniel-Beteiligung loswerden wollen, ließ sich aber von ihm auskontern. Im Machtkampf verloren beide ihre Jobs, Metro brauchte anschließend auch noch einen neuen Aufsichtsratschef. Erst jüngst gingen Metro-Vorstand Joël Saveuse und der Finanzchef der Metro-Beteiligung Media-Saturn, Rolf Hagemann - beide als Spätfolge der Personaldebatte. Das auch noch Haniel-Vorstand Klaus Trützschler am Montag altersbedingt seinen letzten Arbeitstag hat, war dagegen fast liebliche Begleitmusik.

Zudem ist der Gestaltungsspielraum begrenzt: Weil Cordes noch in seiner Zeit als Haniel-Chef mehr als 3 Mrd. Euro für Metro-Aktien ausgab, muss Haniel bis auf Weiteres Schulden tilgen. Geld für neue Geschäfte fehlt.

Angesichts dieser Lage gestaltete sich die Suche nach einem neuen Haniel-Chef schwierig. Gleichwohl passt die Wahl von Gemkow, 52, ins Bild. Der Finanzmann ist unter Analysten angesehen, weil er transparent bilanziert und seine Zahlen kennt und gut erklärt. Er ist geschmeidig im Umgang, aber meinungsstark - etwa wenn er um die Spardisziplin seiner Vorstandskollegen fürchtete. Ihm sei zu verdanken, heißt es, dass die Fluggesellschaft trotz zuletzt schwacher Zahlen bei den Rating-Agenturen mit einem sogenannten Split-Grade noch keinen Schrott-Status hat - eine Gefahr, die auch Haniel bedroht.

Gleichwohl gibt Gemkow sich schon länger Mühe, mehr als nur ein Finanzer zu sein. Mal zitierte er in der jährlichen Bilanz-Vorlage plötzlich Goethe ("Das Außerordentliche geschieht nicht auf glatten, gewöhnlichen Wegen!"), mal bemühte er das chinesische Horoskop, um die Geschäftsentwicklung der Lufthansa  zu verdeutlichen. Für 2010 rief er mit dessen Hilfe für das "Jahr des Tigers" Misstrauen und Mut zum Risiko voraus, für das Krisenjahr 2011, das "Jahr des Hasen" wünschte er sich Sanftmut, Harmonie und Genuss.

Gemkow hoffte schon länger auf größere Aufgaben. Auf den aktuellen Lufthansa-Chef Christoph Franz, das gilt als gesetzt, soll einmal der Vorstand Carsten Spohr folgen - für den ehrgeizigen Gemkow eine Sackgasse. Nun soll der Manager, der in Köln wohnt, irgendwann in der zweiten Hälfte des Sommers bei Haniel anfangen, und dann auch wieder die Kontrolle über Metro, Haniels wichtigste Beteiligung, bekommen. Kluge hatte diese verloren. "Perspektivisch wird Gemkow sicher Metro-Aufsichtsratsvorsitzender", hieß es in Unternehmenskreisen. Noch muss der Haniel-Aufsichtsrat ihn formal berufen, doch schon am Wochenende könnte sich Gemkow der Familie vorstellen.

Vielleicht mit einem Sinnspruch.

  • Aus der FTD vom 26.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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