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Merken   Drucken   04.02.2007, 21:18 Schriftgröße: AAA

"New York Times"-Eigner bestrafen Morgan Stanley

Der Streit um Zukunft und Strategie der "New York Times" hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Eigentümerfamilie der Traditionszeitung zog ihre Vermögenswerte in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar aus der Investmentbank Morgan Stanley ab. Zuvor hatte ein Fondsmanager der Bank die Strategie der Zeitung kritisiert.
von Heike Buchter (New York)
Arthur Sulzberger junior hat Probleme mit Kritik   Arthur Sulzberger junior hat Probleme mit Kritik

Die Entscheidung der Eigentümerfamilie folgte auf die öffentliche Kritik des Morgan-Stanley-Fondsmanagers Hassan Elmasry an der Unternehmensführung des Familienoberhauptes und Aufsichtsratsvorsitzenden, Arthur Sulzberger junior.

Zudem forderte er die Vorzugsaktien der Ochs-Sulzbergers in normale Anteile umzuwandeln. "Die Betreuung des größten Teils der Vermögenswerte der Familie Ochs-Sulzberger ist von Morgan Stanley auf eine andere Institution übergegangen", teilte eine New-York-Times-Sprecherin mit. Morgan Stanley  äußerte sich nicht dazu.

Damit eskaliert ein andauernder Machtkampf über die Zukunft der "New York Times". Über die Vorzugsaktien kontrolliert die Familie seit Generationen die Traditionszeitung. Die Aktien der New York Times Company sind in zwei Klassen aufgeteilt. Die Inhaber der Class-A-Anteile haben eingeschränkte Stimmrechte und dürfen nur vier der 13 Aufsichtsräte wählen. Die Class-B-Aktien repräsentieren zwar einen weit geringeren Anteil an der Zeitungsgruppe, sie verfügen jedoch über deutlich mehr Macht. Sie stellen neun Aufsichtsräte.

Die Class-B-Anteile sind fast ausschließlich in den Händen der Ochs-Sulzbergers. Elmasry hatte verlangt, bei der kommenden Hauptversammlung alle Aktionäre über die Zweiklassenstruktur abstimmen zu lassen. Ohne Wechsel im Aufsichtsrat werde es "weiter strategische Fehltritte, falschen Kapitaleinsatz und zu großzügige Vergütung" geben, schrieb der Fondsmanager, der Anlegerinteressen in Höhe von rund sieben Prozent an der New York Times vertritt, in einem Brief an die Aktionäre.

Die Familienvertreter verwiesen darauf, das nur eine Mehrheit des Familienrats eine Änderung der Eigentümerstruktur beschließen könne. Sie lehnten Elmasrys Forderung mit der Begründung ab, die Struktur schütze die publizistische Unabhängigkeit der "New York Times". Schließlich folgte die Ankündigung, dass die Familienangehörigen ihre Vermögenswerte bei der Bank abziehen. Nach Schätzungen von Wall-Street-Insidern beläuft sich die Summe auf 675 Mio. $, wovon der größte Teil Anteile an der "New York Times" darstellt, die Morgan Stanley treuhänderisch verwaltete.

Sulzberger ist Chef des Aufsichtsrates und Herausgeber

Arthur Sulzberger ist nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender der Zeitungsgruppe, sondern auch Herausgeber. Sein Vorfahr, Arthur Ochs, hatte die "New York Times" vor mehr als hundert Jahren erworben. Andere US-Traditionszeitungen wie das "Wall Street Journal" und die "Washington Post" haben eine ähnliche Eigentümerstruktur, über die Nachkommen der Gründer weiterhin Kontrolle ausüben. Verlage sind zunehmend unter Druck. Auch die New York Times, zu der der "Boston Globe" gehört, kämpft mit sinkender Auflage und Werbeeinnahmen. Der Aktienpreis ist allein 2006 um 16 Prozent gefallen.

  • Aus der FTD vom 05.02.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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