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Ist das jetzt Bürde oder Chance? "Sein Weg ist vorgezeichnet", sagt Günther Fielmann über seinen Sohn.
Internat in Salem, Bachelor an der London School of Economics, Trainingsprogramme in den Semesterferien. Eine Zeit lang arbeiten in den Filialen, dann kommt die Führungskräfteschulung, "der Gang durch die einzelnen Ressorts. Sein Weg ist vorgezeichnet. Ich bin sehr zufrieden mit ihm."
Im Frühjahr hatte der 73-jährige Gründer der Optikerkette seinem Sohn Marc, 23, auf der Bilanzpressekonferenz nochmal ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen. Am Montagabend machte die Firma bekannt, dass er ihm nun auch einen Teil seines Unternehmens übertragen und gleichzeitig weitere Aktien umgeschichtet hat mit dem Ziel, Europas größten Optiker an die nächste Generation weiterzugeben. Von den 71,31 Prozent, die der Familie unverändert zuzurechnen sind, liegen künftig 51 Prozent bei einer Familienstiftung. Marc besitzt künftig knapp elf Prozent, seine 18-jährige Schwester Sophie Louise knapp vier Prozent.
Daran, dass die Aktienübertragung nicht nur Geld, sondern auch Macht absichern soll, lässt Fielmann keinen Zweifel. "Diese Maßnahme sichert auf Dauer den bestimmenden Einfluss und die Führungsverantwortung der Familie Fielmann in der Fielmann AG", schrieb die Firma in einer Pressemitteilung.
Damit ist klar: Fielmann bleibt auf unabsehbare Zeit, was es heute ist - eine formal börsennotierte Aktiengesellschaft, die jedoch fest in der Hand der Familie bleibt. Und Marc Fielmann wird irgendwann in den kommenden Jahren der Chef. Seit Jahren kokettiert Günther Fielmann mit den Talenten seines Sohnes, ohne Minderheitsaktionären und Mitarbeitern einen Anhaltspunkt zu geben, wann und wie er die Machtübergabe zu organisieren gedenkt.
Erstmals vor großem Publikum als designierten Nachfolger erwähnt hat er Marc 2009 - und in diesem Jahr stellte er ihn am Rande der Hauptversammlung auch einigen Personen vor. Trotzdem ist über den voraussichtlich künftigen Chef des größten europäischen Optikers nur Oberflächliches bekannt: dass der schmale Junge seinen Vater um einen guten halben Kopf überragt, dass er früh gefördert wurde, dass er altgedienten Mitarbeitern im Unternehmen von klein auf als netter Junge bekannt ist.
Dass er in seiner Freizeit mit den jungen Schönen der Welt aufwendige Reisen in entlegene Regionen unternommen hat, hat Marc selbst einst mit ambitionierten Fotoreportagen von diesen Reisen bekannt gemacht Dieses Hobby hat er ebenfalls von seinem Vater geerbt. Der wollte selbst gern Fotograf werden, seine Eltern drängten ihn jedoch, lieber Optiker zu lernen.
Geschäftliche Entscheidungen wurden Branchenkreisen zufolge in den vergangenen Monaten schon häufig mit beiden Fielmännern besprochen. Einem Lokalredakteur gegenüber deutete Marc Fielmann zudem an, dass er bei Fielmann Handlungsbedarf für den Transfer ins digitale Zeitalter sieht, ein Umstand, den der Chef des Onlinekonkurrenten Mister Spex, Dirk Graber, als Beginn einer Marktöffnung begrüßt.
Auf Günther Fielmann wartet in dieser Hinsicht eine harte Prüfung. Noch im Frühjahr hatte er gewettert: "Versandhandel mit Brillen ist der Rückfall ins Mittelalter, als Standardbrillen auf Jahrmärkten verkauft wurden."