Er hat nie Zweifel daran gelassen, auf wessen Seite er steht. Josef Depenbrock ist der Vollstrecker seines Investors. Der Geschäftsführer der BV Deutsche Zeitungsholding (Berliner Verlag, "Hamburger Morgenpost", "Netzeitung"), der gleichzeitig Chefredakteur der "Berliner Zeitung" ist, setzt die Renditejagd der britischen Medienholding Mecom um, der das Verlagskonglomerat gehört. Und die Mitarbeiter staunen, wie kühl und nüchtern er die Vorgaben aus London gegen den erklärten Willen seiner Belegschaft exekutiert.
150 Arbeitsplätze sollen in der Zeitungsholding nun wegfallen - rund ein Sechstel der Belegschaft. Das verkündete Depenbrock am Montag im Rahmen der täglichen Redaktionskonferenz der "Berliner Zeitung". Bei dem Hauptstadtblatt selbst dürften am Ende noch 90 von 130 Stellen übrig bleiben, befürchtet der Betriebsrat. Konkrete Pläne oder eine Strategie blieb Depenbrock am Montag schuldig.
Klar definiert ist bloß das Ziel von Mecom-Chef David Montgomery : Rendite. Derzeit liege sie "über 15 Prozent - aber wir wären gern über 20", fasst Depenbrock die Strategie seines Herrn zusammen. Deshalb sollen etwa die Ressortleiter der "Berliner Zeitung" nun Vorschläge zum Personalabbau machen, also "Streichlisten" zusammenstellen.
Die allerdings weigern sich - und verweisen auf das Redaktionsstatut: Mit dem dort geforderten Standard journalistischer Qualität seien die Kürzungen nicht vereinbar. Das ficht Depenbrock nicht an: "Rendite und journalistisches Konzept lassen sich nur schwer in Einklang bringen", soll er laut Teilnehmern in der Konferenz gesagt haben.
Schon vor Monaten hatte er seine Entschlossenheit dokumentiert: "Auf das Vertrauen der Redaktion bin ich nicht angewiesen", sagte er, als diese ihm im Frühjahr öffentlich ihr Vertrauen entzog. "Ich glaube aber auch nicht, dass es schlau ist, mit mir eine Konfrontation zu haben."
Dabei herrscht längst Krieg: Am 2. Juli wird eine Klage der Redaktion vor dem Arbeitsgericht verhandelt, die klären soll, ob Depenbrock seine Doppelfunktion als Chefredakteur und Geschäftsführer weiter ausführen darf.
Am harten Sparkurs wird die Entscheidung nichts ändern. Denn der Rotstift regiert nicht nur in den deutschen Redaktionen des Mecom-Konzerns. In einem Brief an Montgomery, der der FTD vorliegt, beklagen die Chefredakteure mehrerer Tageszeitungen der niederländischen Wegener-Gruppe den "extremen Druck", unter dem ihre Redaktionen seit der Übernahme durch Mecom stehen. Mangels klarer Strategien des Investors beraube sich die Gruppe ihrer Zukunft, schreiben die wütenden Redaktionsleiter.
Von solcher Rückendeckung wagen die Berliner Redakteure nicht mal zu träumen: "Wir haben keinen Chefredakteur mehr, der sich beschweren könnte", sagen sie.