"Die Krise ist verdaut", kommentiert Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Erstmals seit knapp anderthalb Jahren beschäftigt die Industrie wieder mehr als fünf Millionen Mitarbeiter, ein Zuwachs von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aufgrund der guten Auftragslage in vielen Branchen könnten in diesem Jahr rund 100.000 neue Jobs entstehen, sagt Treier
Diese positive Entwicklung hat jedoch einen Haken. Laut DIHK hat derzeit fast jedes dritte Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen. Die aktuelle Statistik der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit gibt an, dass bei Technikern auf rund 24.000 gemeldete Stellen nur rund 8000 Bewerber kommen. Das bedeutet für die Firmen: Sie müssen auch in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. "Auch wenn die Fachkräftebedarfe sich regional, branchenspezifisch und je nach Betriebsgröße unterscheiden, so gilt es, bereits heute gemeinsam mit unseren Partnern am Arbeitsmarkt gegenzusteuern", sagt Klaus Stietenroth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit.
Diese Einschätzung teilt Alexander von Lützow, Vertreter der Geschäftsführung der Teutloff Technischen Akademie mit Hauptsitz in Braunschweig, eine der ältesten Technikerschulen Deutschlands in freier Trägerschaft. Bei vielen mittelständischen Unternehmen sei das Thema der qualifizierten Weiterbildung von Mitarbeitern oft noch gar nicht angekommen: "Viele Geschäftsführer schaffen eher neue Maschinen an, als ihre Leute zu Lehrgängen zu schicken", sagt von Lützow.
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In Niedersachsen, das von der Metall- und Elektrotechnik dominiert ist, seien derzeit vor allem Fachkräfte wie Metall- oder E-Techniker Mangelware. Die Zurückhaltung von Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu qualifizieren, hat vor allem einen Grund: Im Gegensatz zu Maschinen lässt sich die Wirkung von Weiterbildung nicht primär durch Produktionszuwachs oder Umsatzzahlen messen. Dass sich ein "Investment in Köpfe" für Unternehmen jedoch lohne, bestätigt Klaus Hengsbach, Leiter Methoden und Didaktik bei Phoenix Contact, einem weltweit agierenden Hersteller für industrielle Elektronik: "Ein hoher Teil der Anlagenoptimierung kommt von den Mitarbeitern an den Anlagen selbst."
Weiterbildungswilligen Unternehmen steht bundesweit eine Vielzahl von Möglichkeiten in Form von Fachhochschulen, Technikerschulen oder privaten Bildungseinrichtungen zur Verfügung. Die Teutloff Akademie möchte dieses Angebot um einen breiten Bildungskatalog gerade in der technisch-gewerblichen Weiterbildung ergänzen. So können sich Teilnehmer in mehrtägigen Schulungen beispielsweise zur Fachkraft für geregelte Antriebstechnik weiterbilden oder eine zweijährige Weiterbildung zum staatlich anerkannten Maschinen- oder Elektrotechniker mit Schwerpunkt Industrial oder Automotive Engineering absolvieren.
"Unsere Denke der strategischen Ausrichtung ist relativ neu", sagt von Lützow. Man müsse vor allem auf die speziellen Bedürfnisse der Unternehmen und die derzeitigen Marktanforderungen eingehen und darauf abgestimmt modernste Technik wie auch Spezialwissen anbieten, sagt von Lützow. Daher kooperiert Teutloff mit verschiedenen Partnerunternehmen, wie etwa dem Werkzeughersteller Hch. Perschmann, einem familiengeführten Unternehmen der Hoffmann Group, und Phoenix Contact. Die Kooperationspartner stellen spezielle Technik her, Teutloff liefert das fachliche und didaktische Wissen dazu.
Für Hengsbach von Phoenix Contact sind gute Kooperationspartner wichtig für eine effektive Weiterbildung. Während die großen Unternehmen meistens interne Weiterbildung betrieben, brauche der Mittelstand den Praxisbezug durch andere Anbieter. So könnten neue Lerninhalte praxisorientiert, auf dem neuesten Technikstand und oft arbeitsplatznah vermittelt werden. Für den Mittelstand ergebe sich die Chance, auch bei seltenen Technologien auf dem aktuellen Stand zu bleiben. "Wer sich dem nicht anschließt, muss überlegen, ob sich dadurch nicht Marktnachteile entwickeln", sagt Hengsbach.
Die Auffassung eines lebenslangen Lernens in einem differenzierten Lernumfeld habe jedoch mittlerweile auch im Mittelstand Einzug gehalten, sagt Cordula Miosga, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbands der Region Braunschweig, dessen Mitglieder zu 90 Prozent aus dem Mittelstand kommen. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen, besonders im naturwissenschaftlichen Bereich, hätten ihre Weiterbildungsanstrengungen deutlich erhöht. Geforderte Schlüsselkompetenzen seien insbesondere die Themen Kommunikation, Teambildung und Führung. Vor allem die Form der berufsbegleitenden Qualifikation sei für Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen interessant, sagt Miosga. Denn am Ende kommt es auch darauf an, die Belegschaft in Krisenzeiten zu halten.