Gute Geschäfte für eine gute Gesellschaft - darum muss es heutzutage gehen, wenn von Verantwortung in der Wirtschaft die Rede ist. Das macht die Wirtschaftsinitiative "Ethics in Business" deutlich, die ethisches Handeln in einer aktuellen Studie untersucht. "Integre Führungskräfte und Mitarbeiter sind ebenso wichtig wie angemessene Organisationsstrukturen", heißt es darin. Neben den Themen Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility und Werte komme es aber gerade in der Krise auf gute Führung an.
Oder noch deutlicher gesagt: Chefs sind als moralische Instanz gefragt, fand das Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen heraus, für die Direktor Thomas Beschorner und sein Team 81 mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum analysierten, die sich nach eigenen Angaben "der Gesellschaft in besonderem Maße verpflichtet fühlen". Diese leben die besondere Vorbildrolle der Führungskräfte schon ausgeprägter als andere, stellten die Wissenschaftler fest, aber auch, dass es in Sachen Werteorientierung noch deutlichen Nachholbedarf gibt.
Demnach reichen hohe Vergütungen allein nicht aus. "Eine werteorientierte Personalwirtschaft geht über die Zahlung angemessener Löhne weit hinaus. Vielmehr verbindet sich damit nach dem Verständnis der Studie eine Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz, eine fruchtbare Gestaltung von kultureller und religiöser Vielfalt und das Schaffen einer Kultur, in der sich jeder Einzelne produktiv entfalten kann", sagt Studienautor Beschorner.
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Dieses Ziel lasse sich jedoch nur erreichen, wenn die Führungskräfte entsprechend werteorientiert sind. Das sehen auch über 90 Prozent der befragten Unternehmen so. Sie betrachten vor allem die Mitglieder der Leitungsebene als erste Ansprechpartner für die Mitarbeiter. "Die Unternehmen tun deshalb gut daran, in die moralische Kompetenz ihrer Führungskräfte zu investieren", resümiert Beschorner.
Wer glaubt, mit einer Unternehmensvision auf der Webseite sei es getan, liegt aber falsch. Es reiche nicht, Firmenwerte schriftlich zu fixieren. Es sei kein Selbstläufer, Grundsätze zu formulieren und zugänglich zu machen, warnt der Wissenschaftler. Das allein garantierte noch keine verantwortungsbewusste und integre Führung. "Vor allem dann nicht, wenn die Vergütungs- und Bonussysteme Leistung allein anhand wirtschaftlicher Parameter wie Umsatz oder Ergebnis bemessen", stellte er fest.
Beschorner verweist deshalb auf weiche Erfolgsfaktoren: Kundenzufriedenheit, Arbeitsklima, Entwicklung der Mitarbeiter, welche die Unternehmensführungen und Manager verinnerlichen müssten. Ein Modell, das durchaus schon umgesetzt wird. Der Studie zufolge belohnen hierzulande bereits knapp 37 Prozent der Firmen ihre Angestellten, wenn die Kunden mit Leistung und Ware besonders zufrieden sind. Die Mitarbeiterzufriedenheit fließt bei immerhin gut 30 Prozent der Unternehmen in erfolgsabhängige Vergütungen für Führungskräfte ein. Etwa ebenso viele orientieren sich bei Erfolgsboni an der persönlichen Entwicklung der Teammitglieder. Nur etwa 13 Prozent seien aber als Pioniere zu bezeichnen, da sie auf ganzheitliche Verantwortung setzten und ihre Führungskräfte auch auf ökologische Ziele verpflichteten. Die geringe Zahl mache jedoch deutlich, wie viel Handlungsbedarf hier noch bestehe.
Fazit der Studie: "Die soziale Verantwortung von Firmen endet nicht bei gerechter Entlohnung, Gleichstellung am Arbeitsplatz und Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die eigenen Mitarbeiter. Firmen sind dazu aufgerufen, ihrem gesellschaftlichen Umfeld gute Unternehmensbürger und ihren Lieferanten verlässliche, aber allzeit kritische Partner zu sein", heißt es.
Die Studie ist Anfang Oktober in dem von Ulrich Wickert herausgegebenen Buch "Es ist an der Zeit" im Redline Verlag erschienen.