FTD.de » Karriere » Management » Pi mal Daumen beim Mittelstand
Merken   Drucken   20.02.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Planung: Pi mal Daumen beim Mittelstand

Viele Mittelständler entscheiden aus dem Bauch heraus - und liegen daneben. Unternehmen brauchen betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente, um bei Kreditenanträgen die relevanten Kennzahlen zuliefern.
von Torben-Gerd Schultz

Stefan Lenz hatte zur Jahrtausendwende große Pläne. Er wollte expandieren und ein neues Werk in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Lenz leitet das Medizintechnikunternehmen Bauer und Häselbarth (B+H) in Ellerau bei Hamburg, das 60 Mitarbeiter beschäftigt. Alles schien gut zu laufen. Die Hausbank sagte einen Kredit über eine halbe Million D-Mark zu. Dann machte sie plötzlich einen Rückzieher.

"Die wollten ein Basel-II-Rating plus Umsatz- und Liquiditätsplanung", sagt Lenz. Damit konnte er nicht dienen. Die Bank verlängerte den Kredit nicht, B+H blies den Neubau ab. So wie Lenz vor knapp zehn Jahren schlagen sich etliche Mittelständler noch heute ohne betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente durch den Arbeitsalltag. Entschieden wird aus dem Bauch heraus.

"Wer sich auf seine Intuition verlässt, muss nicht automatisch weniger erfolgreich sein", sagt Gerhard Guder, Mittelstandsreferent an der Hamburger Handelskammer. Oft stellen sich dann aber die Banken quer. Wer nicht rechnet, bekommt keinen Kredit. Das kann dann schon mal die Existenz kosten.

Die Zahlen immer im Blick

Immerhin: "Die Aufgeschlossenheit gegenüber betriebswirtschaftlicher Steuerung ist größer als noch vor ein paar Jahren", sagt Mittelstandsreferent Guder. So setzten sich inzwischen die meisten Unternehmer mit der Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) auseinander. Das Zahlenwerk, das der Steuerberater monatlich erstellt, gibt Auskunft über die laufenden Einnahmen und Ausgaben.

Daran kann ein Unternehmer sofort erkennen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Neben der BWA setzen Entscheider oft noch auf Liquiditäts- und Rentabilitätsplanung. Sie bilden die Grundlage für alle Entscheidungen - und auch für das Rating der Banken. Vor allem Jungunternehmer haben das längst verinnerlicht. "Wer einmal einen Businessplan erstellt hat, bleibt der Liquiditäts- und Rentabilitätsplanung treu", sagt Mittelstandsreferent Guder.

Unternehmen, die so planten, seien auch "krisenfester als die, die einen Blindflug machen". Wer seine Geschäft noch gezielter auf Stärken und Schwächen abklopfen will, kann sich Hilfe von außen holen: Unternehmensberatungen wie Coretelligence aus Bad Oeynhausen haben sich auf die Interpretation von Kennzahlen spezialisiert.

Eine Mischung aus Erfahrung und Zahlen

"Wenn der Unternehmer in die Lage versetzt wird, die Zahlen unter verschiedenen Perspektiven zu betrachten, kann er damit auch inhaltlich umgehen", sagt Coretelligence-Chefin Marianne Wilmsmeier. Denn über viele Bereiche eines Unternehmens sagt die BWA nichts aus: etwa über Lagerumschlag oder Zahlungsmoral. "Die Interpretation von Kennzahlen hilft bei der Standortbestimmung und Identifikation", sagt Peter Englisch, Partner und Leiter Mittelstand bei Ernst & Young.

Noch einen Schritt weiter geht das internationale Unternehmernetzwerk TEC. Dessen Mitglieder, zu denen Führungskräfte aus ganz Deutschland zählen, stellen den Kennzahlen zukunftsgerichtete Szenarioanalysen an die Seite. "Erfahrene Manager wagen den Blick in die Glaskugel", sagt TEC-Deutschlandchef Wolfgang Hartmann. Aus mehreren Meinungen ließen sich in der Folge Zukunftsszenarien ableiten.

Allerdings hat das ein bisschen was von Kaffeesatzleserei. "Spannender wäre es, das Potenzial eines Unternehmens zu messen", sagt Mittelstandsexperte Englisch. B+H-Chef Lenz verlässt sich lieber auf die Fakten: Nach dem geplatzten Neubau engagierte er eine externe Rechnungsprüferin. Wenn Investitionen anstehen, erstellt sie die Zielplanung für B+H. Ein Werk in Mecklenburg-Vorpommern hat Lenz inzwischen - wenn auch kein neues.

  • FTD.de, 20.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler