Axel Schweitzer kennt die Vorurteile. Er hat sie früher oft genug gehört. "Wenn du nicht vernünftig lernst", sagt er, "landest du bei der Müllabfuhr." Dann grinst er und blickt an sich hinunter: hellblaues Hemd, weiß-rosa Krawatte. Keine orangefarbene Latzhose. Keine Arbeitshandschuhe. Drüben, auf der anderen Seite des großzügigen Büros, sitzt sein Bruder Eric, und in ihren feinen Anzügen sehen die Geschwister nicht gerade so aus, als hätten sie sich schon oft die Hände schmutzig gemacht. Dabei sind sie beide bei der Müllabfuhr gelandet.
Gemeinsam mit zwei familienfremden Vorständen führen die Schweitzers die Alba AG. Das Berliner Unternehmen entsorgt und recycelt jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen Abfall und Wertstoff, betreibt 110 Tochterunternehmen an 170 Standorten. 2006 erhöhte die Firma ihren Anteil am Recyclingkonzern Interseroh auf mehr als 46 Prozent, vergangene Woche kaufte sie dem Energiekonzern EnBW seinen Entsorger U-Plus ab. Alba ist die Nummer zwei im deutschen Entsorgungsmarkt - mit mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz. Und das soll noch lang nicht das Ende sein. Es ist wie bei der Bestattung. "Solange Menschen existieren", sagt Axel Schweitzer, "hat die Branche Zukunft."
Also haben sie beide studiert, in Rekordzeit, Eric Betriebswirtschaft, sein vier Jahre jüngerer Bruder Wirtschaftsingenieurwesen - und dann beide einen Doktor gemacht. Der Ältere ging anschließend ein halbes Jahr in die USA, nach Houston, in die Entsorgungswirtschaft. Es war ein Befreiungsschlag. Denn so weit weg von der Heimat "hat es niemanden interessiert, wer in Berlin den Müll abholt", sagt er.
Am Ende sind beide Brüder aber doch ziemlich schnell bei Alba gelandet. "In einem anderen Unternehmen hätte ich nie die Möglichkeit bekommen, in diesem Alter Verantwortung zu übernehmen", sagt Axel Schweitzer. Er war erst 25, als er die Produktion übernahm. Inzwischen ist er 37 und als Vorstand für Finanzen, Controlling und Personalmanagement zuständig. Sein 41-jähriger Bruder kümmert sich um kommunale Dienstleistungen, Altmetallrecycling sowie die Unternehmenskommunikation.
"Die beiden haben ein ausgeprägtes Gespür für die Branche", sagt Peter Kurth, seit 2001 Vorstandsmitglied bei der Alba AG. Kein Wunder, "sie haben es ja praktisch mit der Muttermilch aufgesogen". Der ehemalige Finanzsenator hat in seiner Karriere schon einige Führungskräfte erlebt. Aber noch nie "jemanden, der so jung ein Familienunternehmen nicht nur führt, sondern erst richtig weiterentwickelt".
Eric Schweitzer redet schnell, laut und gern. Er steht vorn im Hörsaal einer kleinen Eliteuniversität in Berlin und hält einen Vortrag über seine Firma und den Entsorgungsmarkt. Es ist der letzte von einem guten Dutzend Terminen an diesem Tag. Er sieht ein bisschen müde aus. Doch so etwas kann ihn nicht bremsen. Eric Schweitzer spricht mit den Händen, zwinkert den Studenten zu, macht Witze und vergleicht den Papst mit dem Dosenpfand.
Er ist in seinem Element. Das sieht man. Er mag die Menge. Er tritt gern auf. Neben seinem Job bei Alba ist er seit drei Jahren auch noch Präsident der IHK Berlin. Am Wochenende besucht er Betriebsjubiläen und hält Festreden. "Viele unterschätzen ihn, weil er so jungenhaft daherkommt", sagt Jan Eder, Geschäftsführer der IHK, "und dann reiben sie sich die Augen, wie tough er ist."
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