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Merken   Drucken   25.07.2012, 06:00 Schriftgröße: AAA

Recruitainment: Bewerber mit Spiel und Spaß ködern

Heutzutage liegen Unternehmen im Trend, die Bewerber mit Spiel, Spaß und Unterhaltung ködern. Sowohl bei Online-Aktivitäten als auch bei realen Events lässt sich testen, wer zum Unternehmen passt.

Der Fachkräftemangel ermöglicht es Bewerbern heute, Jobangebote abzulehnen und bei der Wahl des richtigen Arbeitgebers anspruchsvoll zu sein. Laut der Befragung "Bewerbungspraxis 2012", bei der über 10.000 Stellensuchende und Karriereinteressierte teilnahmen, sehen drei von zehn Befragte gar die Chance auf einen Traumjob. Für Unternehmen bedeutet das: Der Bewerber ist gleichzeitig Kunde. Und weil junge Professionals, Berufseinsteiger und Fachkräfte mit spezifischen Kompetenzen gerne unterhalten werden, beinhalten moderne Rekrutierungsprozesse neben Informationen und eignungsdiagnostischen Auswahlinstrumenten einen Unterhaltungsaspekt.

Recruitainment: Bis zum Bewerbungsgespräch mit geeigneten ...   Recruitainment: Bis zum Bewerbungsgespräch mit geeigneten Kandidaten müssen sich die Firmen einiges einfallen lassen

Instrumente der gezielten Bewerberansprache sind webbasierte oder reale Spiele, Wettbewerbe und Events. Bei der Suche nach jungen Talenten verbindet das Personalmarketing Strategien zum Employer Branding mit der Kommunikation von Kampagnen über Social-Media-Kanäle. Das Ziel ist, die Aufmerksamkeit potenzieller Mitarbeiter im "War for talents" auf sich zu ziehen.

Das wahrscheinlich erste Personalbeschaffungs-Event mit Unterhaltungsfaktor war die "Karrierejagd im Netz", einem interaktiven Rekrutierungsspiel mit Frage- und Testverfahren, an dem sich mehrere Unternehmen beteiligten. Das Konzept wurde 2001 vom Unternehmen "Cyquest" umgesetzt, womit es den Begriff Recruitainment prägte.

Seit etwa zehn Jahren geht der Trend hin zu dieser neuen Form des Auswahlverfahrens, um vor allem Hochschulabsolventen zu gewinnen. Auf dieses Feld spezialisierte Agenturen wie etwa "Young Targets" organisieren für Unternehmen zum Beispiel kreative Events wie das IT-Krimidinner, Spiele wie Geocaching, Projektwettbewerbe oder Rundfahrten mit Unternehmensbesichtigungen.


Stichwort
Recruitainment ist ein Mischwort aus Recruiting und Entertainment beziehungsweise Infotainment und eine moderne Form des Auswahlverfahrens von Bewerbern. Die Personalgewinnung und -auswahl erfolgt auf spielerische und unterhaltende Weise. Es handelt sich dabei um online-basierte Rekrutierungsprozesse und reale Events.

Wie wichtig der Bedarf an neuen Rekrutierungswegen ist, zeigt die Studie "recruiting trends 2012" des Centre of Human Resources Information Systems. Die Personalverantwortlichen der 1.000 umsatzstärksten Unternehmen aus Deutschland gaben an, dass fast 40 Prozent der für das Jahr 2012 erwarteten freien Stellen nur schwierig zu besetzen sein würden. Fast sechs Prozent würden unbesetzt bleiben, weil keine geeigneten Kandidaten gefunden werden könnten. Diese Zahlen sind bereits seit mehreren Jahren stabil, wobei die Unternehmen davon ausgehen, dass die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern noch schwieriger werden würde.

Vor allem in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Informationstechnologie wird händeringend nach Bewerbern gesucht. Das liege, so ein weiteres Ergebnis der Studie, insbesondere an den größten Herausforderungen, denen sich die Unternehmen ausgesetzt fühlten: dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel.

Über die eigene Webseite gefundene Mitarbeiter sind die besten

Eine durch Verfahren des Recruitainments passgenaue Bewerberauswahl kommt da Unternehmen zugute. Laut Studie sehen sie Employer Branding und Mitarbeiterbindung als die größten Herausforderungen bei der Personalbeschaffung. Und die Effektivität bei der Suche über die Firmenwebseite gibt ihnen Recht. Zwar werden über Online-Stellenbörsen deutlich mehr Einstellungen generiert, die meisten Unternehmen sind aber mit den Kandidaten, die über den Kanal "eigene Webseite" eingestellt worden waren, am zufriedensten.

Auch den Bewerbern kommt der Trend hin zur Nutzung von Social Media für die Veröffentlichung von Stellenanzeigen entgegen. Fast sechs von zehn befragte Unternehmen haben diesen Kanal schon einmal genutzt. Die Studie "Bewerbungspraxis 2012" kommt darüber hinaus zu folgenden Ergebnissen:

  • Knapp 70 Prozent finden es gut, wenn Unternehmen über Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn nach Kandidaten suchen.
  • 46 Prozent begrüßen eine Applikationen (App) von Unternehmen, um nach offenen Stellen zu suchen.
  • Knapp 33 Prozent finden es gut, wenn Unternehmen eine Fanpage bei Facebook zur Kommunikation und Verbreitung von Karrierethemen nutzen.
  • 26 Prozent beurteilen Social-Media-Anwendungen für die Rekrutierung im Allgemeinen als positiv. Vor allem Studenten und diejenigen, die im Personalwesen, Marketing, IT oder Consulting tätig sind, nutzen diese Anwendungen häufiger.

Hinweis
Für die Studie "recruiting trends 2012" des Centre of Human Resources Information Systems der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit der Monster Worldwide Deutschland GmbH wurden Personalverantwortliche der 1.000 umsatzstärksten Unternehmen aus Deutschland befragt. Die repräsentative Befragung findet regelmäßig seit 2002 statt. Eine Zusammenfassung zur aktuellen Studie lesen Sie hier.
Eine Zusammenfassung der Studie "Bewerbungspraxis 2012", für die vom selben Institut über 10.000 Stellensuchende und Karriereinteressierte befragt wurden, lesen Sie hier.

Die Instrumente

Moderne Rekrutierungsprozesse ermöglichen es den anspruchsvollen Bewerbern, in einem ersten Schritt eine Selbstauswahl zu treffen, bevor das Unternehmen im Auswahlprozess seine Entscheidung trifft. Zum Recruitainment zählen daher diese Formen des Auswahlprozesses:

  • Berufs- und Studienorientierung: Schüler oder Studierende bewerten Aussagen und Fragen mit Bezug auf individuelle Interessen, Neigungen und Wünsche. Das Ergebnis ist ein Profil, das ihnen grundsätzlich Orientierung bei ihren Interessenschwerpunkten hinsichtlich eines Berufs gibt und die Passung mit den im jeweiligen Unternehmen vorgefundenen Berufen beziehungsweise Studiengängen abgleicht.
  • Self-Assessment (Selbsttest): Interaktive Anwendung, die Lern-Komponenten sowie Persönlichkeits- und Wissenstests einschließt. Auf dieser Grundlage sollen Bewerber selbst bewerten, ob sie zum Unternehmen, den Aufgaben, Prozessen und Produkten passen.
  • E-Assessment und Karriereportal: Bewerber tragen in ein standardisiertes Formular Daten zu Lebenslauf, Eingenschaften und Verhaltensmerkmalen ein. Auf dieser Basis treffen Unternehmen eine Vorauswahl für den weiteren Bewerbungsprozess.
  • Web TV, Image-Film, virtueller Rundgang durch das Unternehmen: Informationen rund um das Unternehmen und emotionale Ansprache stehen im Vordergrund. Die Videos werden auf firmeneigenen Karriereportalen eingebunden, mit Social-Media-Aktivitäten verknüpft und können mit anderen Elementen des E-Recruitments verbunden werden.
  • Reale Events: Sie verbinden ein angenehmes Ambiente und Unterhaltungsaspekte mit Unternehmenspräsentation und eignungsdiagnostischen Inhalten.

Realisiert werden die verschiedenen Verfahren auf der unternehmenseigenen oder unternehmensexternen Webseite, als Applikation für soziale Netzwerke oder mobile Endgeräte. Die verschiedenen Maßnahmen können Kombinationen aus Spielen, Bildern, Grafiken, interaktiven Animationen, Filmen oder Audios sein.

Teil 2: Welche Vor- und Nachteile Recruitainment für die Unternehmen hat

  • FTD.de, 25.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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