Wer in fremde Länder reist, der kann was erleben. Das gilt nicht nur für Touristen, sondern auch für Mitarbeiter deutscher Firmen. Und je weiter weg das betreffende Land ist, desto exotischer oder gefährlicher können diese Erlebnisse sein. Das Spektrum an durchaus unerwünschten Nebenwirkungen ist groß und reicht von schweren Erkrankungen über furchtbare Naturkatastrophen bis zur Gefahr für Leib und Leben.
Auf mögliche Ereignisse abseits von Geschäftsverhandlungen und Vertragsabschlüssen sind allerdings längst nicht alle Mitarbeiter ausreichend vorbereitet. Zu diesem Schluss kommt Ernst-Otto Thiesing vom Bereich Tourismusmanagement an der Hochschule Ostfalia in seiner vergangenes Jahr vorgelegten Studie "Zum Stand des Risikomanagements auf Geschäftsreisen". Zwar würden 90 Prozent der befragten Unternehmen ihre Auslandskräfte impfen lassen und entsprechend versichern. Mehr aber nicht.
Weniger als die Hälfte der befragten Firmen bietet spezielle Vorbereitungsseminare an. Ein Großteil der Reisenden bereitet sich sogar völlig allein vor. Thiesings Fazit in Sachen Dienstreisen: "Das Risikomanagement ist zwar auf dem Vormarsch, sollte jedoch weiter ausgebaut und insbesondere besser in das allgemeine Risikomanagement der Unternehmen integriert werden." Bislang investiert erst etwas mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen in ein aktives Risikomanagement. Das liege nicht an den zusätzlichen Kosten, sagt Thiesing. Vielmehr fehle es in vielen Firmen schlicht an Zeit und entsprechendem Know-how. Generell mangele es an dem Bewusstsein, dass das richtige Risikomanagement den Unternehmenserfolg sichern sowie Kosten minimieren könne.
Für potenziell gefährliche Geschäftsreisen und Arbeitsaufenthalte im Ausland bieten viele Krisenhelfer ihre Dienste an, BCD Travel, CWT und Result Group gehören zu den größten in Deutschland. Ein ebenfalls etablierter Anbieter ist Control Risks. Gemeinsam mit seinem Kooperationspartner International SOS, der medizinische Notfallhilfe leistet, verfügt Control Risks über ein weltweites Netz von mehr als 70 Niederlassungen. Hinzu kommen rund zwei Dutzend Alarm-Center in Ländern wie China, Frankreich und Thailand.
Die Mitarbeiter dieser Dienstleister kommen aus allen möglichen Branchen: Wirtschaftswissenschaftler, Ethnologen, Juristen und Journalisten sind hier im Einsatz. Letztlich arbeiten sie wie alle professionellen Risikoberater: Vor einer Reise erstellen sie Informationsmaterial über die Region - das sogenannte Länderbriefing. Dazu gehören beispielsweise Infos über sichere Hotels, vertrauenswürdige Taxi-Unternehmen oder Stadtteile, die man besser meiden sollte. Wie gefährlich ein Land ist, sehen die Kunden auf einer Weltkarte, auf der farblich das jeweilige Gefahrenpotenzial angezeigt ist - von hellgrau für relativ harmlos bis tiefrot für brandgefährlich.
Teil 2: Betreuungsintensität wird individuell vereinbart