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FTD-Serie: Enable: Besser wirtschaften

Enable ist die Ideengrube für Manager und Unternehmer: mit Lösungswegen, Case Studies und Managementgeschichten zum Nachmachen.
Merken   Drucken   17.12.2011, 07:00 Schriftgröße: AAA

Schein für Schein: Mit Crowdfunding zum schnellen Geld

Unkompliziert und schnell: Auf Crowdfunding-Plattformen finden innovative Unternehmen nicht nur einen, sondern gleich hunderte Investoren. Die Portale vermitteln immer größere Summen.
von Claus Hornung

Zack, war Geld da. 50.000 Euro  wollten Petr Nemec und Jozo Mamic mindestens einwerben. Geld für ihr Startup Blue Patent, das für Unternehmer und Erfinder weltweit recherchiert, ob Schutzrechte eingetragen sind oder Plagiatoren bestehende Schutzrechte verletzen. Erste Aufträge hatten die Gründer bereits. Jetzt brauchten sie Geld für eine Marketingkampagne und für Entwickler, die ihre Webseite überarbeiteten. Anfang November 2011 starteten sie die Suche. Nach gerade mal 24 Tagen hatten sie das Doppelte der geplanten Mindeststumme zusammen: 100.000 Euro, verteilt auf 163 einzelne Investoren.

Im Ausland haben die Plattformen schon Millionen eingesammelt   Im Ausland haben die Plattformen schon Millionen eingesammelt

Crowdfunding nennt sich die Methode, die diese schnelle Finanzierung möglich machte. Auf der Plattform Seedmatch, selbst ein gerade mal sechs Monate altes Startup, stellten die Blue-Patent-Gründer ihre Geschäftsidee vor. Die Nutzer konnten ihnen Fragen stellen, untereinander in einem Forum diskutieren - und investieren. Der Mindestbetrag lag bei 250 Euro.

Auch andere Modelle werden unter dem Begriff Crowdfunding eingeordnet. Portale wie Startnext oder Mysherpas richten sich jedoch vorrangig an Künstler und Kreative, die teils skurrile Projekte finanzieren wollen. So sammelten im Frühjahr 2011 die Nutzer von Mysherpas 4000 Euro für eine Dokumentation über den Filmstar Bud Spencer ein. Als Anreiz dienten den Geldgebern keine Zinsen oder Gewinnbeteiligungen, sondern Autogrammkarten, Treffen mit den Regisseuren oder limitierte Fanartikel des jeweiligen Projekts.

Für höhere Beträge bräuchte man eine BaFin-Lizenz

Um größere Summen geht es bei Mikrofinanzierern wie Smava. Wie bei Seedmatch suchen dort Startups, Selbstständige und kleine Unternehmen nach Kapital. "Bei Smava erhält der Unternehmer einen Kredit, und die Nutzer bekommen Zinsen", sagt Jens-Uwe Sauer, Geschäftsführer von Seedmatch: "Bei uns erwerben sie eine Beteiligung." Als stille Gesellschafter erhalten die Seedmatch-Geldgeber Auskunftsrechte, etwa die Erlaubnis, Jahresabschlüsse einsehen zu können. Mitwirkungsrechte sind auf wichtige Entscheidungen wie Veränderungen des Gesellschaftszwecks oder Gehaltserhöhungen der Geschäftsführer beschränkt. "Wer dabei mitmacht, ist von der Idee begeistert", sagt Sauer. Aber es geht auch ums Geld. "Wir suchen Geschäftsmodelle, die jährlich um 50 oder 100 Prozent wachsen können."

Ähnliche Plattformen gibt es bereits im Ausland. Etwa Profounder in den USA oder Wiseed in Frankreich. "Die haben schon Millionen eingesammelt", sagt Sauer. Seed­match hat in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits drei Projekte finanziert. Neben Blue Patent waren das der Geschenkartikelversender Cosmopol mit 94.000 Euro und die Gehirnjogging-Plattform Neuronations mit 62.000 Euro. Noch vermittelt Seedmatch maximal 100.000 Euro, für höhere Beträge bräuchten die Gründer erst eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Aber Sauer ist sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie die beantragen werden: "In ein paar Jahren werden wir auch Finanzierungen von 500.000 Euro stemmen."

  • FTD.de, 17.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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