Jack Welch prägte den Ausspruch: "Too often we measure everything and understand nothing. The three most important things you need to measure in a business are customer satisfaction, employee satisfaction, and cash flow".
Die Messung des Cash Flow ist für die Mehrzahl der Unternehmen betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, und auch die Zufriedenheit der externen Kunden hat sich mittlerweile in sehr vielen Unternehmen als wichtige Kenngröße etabliert. Anders hingegen sieht es aus beim Thema Mitarbeitercommitment. Bei weitem nicht alle Unternehmen messen in regelmäßigen Abständen die Zufriedenheit und das Commitment ihrer Mitarbeiter - obwohl Mitarbeitercommitment ein ganz wesentlicher Faktor des Unternehmenserfolgs ist: Zum einen gibt es mittlerweile erste empirische Untersuchungen, die auf den engen Zusammenhang zwischen Motivation der Mitarbeiter und Zufriedenheit der Kunden verweisen. Je höher die Motivation der Mitarbeiter, umso besser sind diese auch in der Lage, Kunden zufriedenzustellen und damit an das Unternehmen zu binden, was gleichzeitig den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens steigert. Zum anderen verursachen hohe Fluktuation, aber auch Demotivation der Mitarbeiter erhebliche innerbetriebliche Kosten.
Während die Kosten hoher Fluktuation noch relativ gut anhand von Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten geschätzt werden können, verursachen demotivierte Mitarbeiter für die meisten Unternehmen einen oftmals unbezifferten Kostenfaktor. Geringe Zufriedenheit und Motivation von Mitarbeitern wirken sich meist nicht nur negativ auf die Arbeitsleistung der/des Einzelnen aus, sondern können auch einen erheblichen Störfaktors des gesamten Betriebsklimas darstellen, mit negativen Auswirkungen auf motivierte Mitarbeiter, aber auch auf das Funktionieren innerbetrieblicher Prozesse und Schnittstellen.
Wie aber sieht die Realität in deutschen Unternehmen aus? Haben Manager und Personalverantwortliche den hohen Stellenwert von zufriedenen Mitarbeitern erkannt?
Die sogenannten "Erfolgsgaranten": Mitarbeiter die sowohl hoch zufrieden sind, als auch ihre Arbeitssituation als motivierend wahrnehmen. In der Regel identifizieren sich diese Mitarbeiter stark mit dem Unternehmen, sind sehr loyal, inspirieren und motivieren durch ihre Einstellung auch Kollegen.
Die "distanzierten Leistungsträger" dagegen sind eher kritisch dem Unternehmen gegenüber und schwer zu führen. Obwohl sie von der Marktstärke und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens überzeugt sind, sind sie vor allem am eigenen Weiterkommen interessiert.
"Bewohner" sind in der Regel mit ihrem Arbeitsverhältnis sehr zufrieden - obwohl sie ihre Arbeit in einem für sie wenig motivierenden Umfeld verbringen. Häufig sind dies Mitarbeiter, die sehr sicherheitsbewusst sind, ihre eigene Tätigkeit ernst nehmen, ohne aber zur Gruppe derjenigen zu gehören, die den Unternehmenserfolg aktiv vorantreiben. Unter richtiger Führung haben die "Bewohner" einen durchaus stabilisierenden Einfluss auf das Unternehmen.
Kritisch ist dagegen die Situation der "Nicht-Erreichten". Unzufrieden und demotiviert geht von diesen Mitarbeitern die Gefahr aus, dass sie Kolleginnen und Kollegen mit ihrer negativen Stimmung dem Unternehmen gegenüber anstecken.
Auch hier können Benchmarkingdaten Aufschluss über die Situation in deutschen Unternehmen geben. Lediglich etwas mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer befindet sich in der Situation eines "Erfolgsgaranten" - und trägt somit aktiv und engagiert zum Unternehmenserfolg bei. Ein großer Anteil der Mitarbeiter (38 Prozent) kann dagegen der Kategorie der "Bewohner" zugeordnet werden, Mitarbeiter deren Arbeitsalltag sich durch geringe Motivation auszeichnet und die eher die eigene Arbeitszufriedenheit als die Wettbewerbsstärke des Unternehmens vorantreiben. Der Anteil der individualistischen, schwer zu führenden "distanzierten Leistungsträger" liegt mit etwas über 10 Prozent dagegen eher gering.
Wie viele Ressourcen in deutschen Unternehmen aber brach liegen, zeigt der hohe Anteil an "Nicht-Erreichten". Mehr als jeder vierte Arbeitnehmer befindet sich in einer Situation, die weder für den Arbeitnehmer selbst, noch für die Unternehmen positiv ist. Unter Effizienzgesichtspunkten stellen diese Mitarbeiter eine Ressource im Unternehmen dar, die nicht vollwertig genutzt ist - darüber hinaus verursachen sie nicht unerheblichen "Reibungsverlust" im Unternehmen durch ihre Frustration mit ihrem gegenwärtigen Arbeitsumfeld. Aber auch für den Arbeitnehmer selbst, der tagtäglich einen wenig befriedigenden Arbeitsalltag erlebt, ist dies eine Situation, die dringend verbessert werden sollte.
Zusammenfassend: Obwohl sich die Mitarbeiterzufriedenheit in deutschen Unternehmen in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, ist ein Durchbruch noch immer nicht erzielt. Zu viele Mitarbeiter werden von den Unternehmen nicht erreicht - mit negativen Auswirkungen auf beiden Seiten. Manager und Personalvorstände müssen verstärktes Augenmerk auf die Situation der Mitarbeiter in ihren Unternehmen legen, denn im "War for Talents" wird die "Ressource Arbeitskraft" zum alles entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Susanne O´Gorman ist Director Stakeholder Management bei TNS Infratest. Quelle und mehr Informationen unter: www.tns-infratest.com