Ihn soll Jeffrey Bewkes ersetzen, für das Tagesgeschäft zuständig und amtierende Nummer zwei des Konglomerats. Einen entsprechenden Bericht des US-Wirtschaftsblatts "Wall Street Journal" wollte ein Sprecher am Montag nicht kommentieren. Parsons Vertrag läuft eigentlich erst im Mai 2008 aus.
Der Medienkonzern will nach dem Bericht eine Hängepartie bei der Bestellung des neuen Chefs vermeiden. Bewkes gilt spätestens, seitdem er Ende 2005 den Titel eines Präsidenten von Time Warner erhielt, als Kronprinz für Parsons Nachfolge.
Parsons hat sich bei Time Warner einen hervorragenden Ruf als Turnaroundmanager erarbeitet. Er war es, der Time Warner nach dem Desaster der AOL-Übernahme neu aufgestellt und durch die Existenzkrise gelotst hatte. Investoren zweifeln aber, ob der gelernte Jurist neue radikale Umbrüche wagen wird, die das Internet dem Konzern abverlangen könnte. "Time Warners Ergebnisse könnten leiden, wenn der Konzern sich nicht schnell genug an die veränderte Medienlandschaft anpasst", notierte Morningstar-Analyst Larry Witt.
Der 55-jährige Bewkes, Absolvent der Elite-Uni Yale, hat sich beim Umbau der Kabel-TV-Tochter Home Box Office (HBO) zu einer hochprofitablen Konzerneinheit einen Namen als Sanierer gemacht. Viele Aktionäre fordern nun von der künftigen Führung die Aufspaltung des Konzerns, zu dem das zweitgrößte Kabelnetz der USA, der Internetbetreiber AOL, Kabelsender wie CNN, HBO und TNT , die Warner-Brothers-Filmstudios sowie das Nachrichtenmagazin "Time" gehören.
Bewkes hat bisher jedoch mit keinem Wort erkennen lassen, dass er die geforderte Abtrennung in Lieferanten von Medieninhalten - also den Fernseh- und Filmaktivitäten - unterstützt. Entsprechend lustlos fiel am Montag die Reaktion der Börse auf die Nachricht aus. Time Warners Aktienkurs sank bis zum Mittag in New York um 2,2 Prozent auf 18,23 $, nachdem die Aktie seit Jahresanfang bereits über 14 Prozent eingebüßt hatte.
Konzernchef Parsons, der im kommenden April 60 wird, könnte mit einem vorzeitigen Abschied gut leben. Womöglich kommt das seinen persönlichen Plänen sogar entgegen. Dem früheren Anwalt von Milliardär Nelson Rockefeller und Berater von US-Präsident Gerald Ford, seit 2002 Chef von Time Warner, werden hartnäckig Pläne nachgesagt, als Bürgermeister von New York bei der nächsten Wahl im Jahr 2009 zu kandidieren. Der derzeitige Amtsinhaber und Parsons Parteifreund Michael Bloomberg gilt - trotz hartnäckiger Dementis - als einer der möglichen Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaftswahl im Herbst. Parsons bleibt zudem Chef des Verwaltungsrats bei Time Warner.