Die Macher hinter den News: Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Tatsächlich könnte es sich noch bezahlt machen, dass künftig ein Mann in Berlin die Regierung Merkel verkauft, der das Gleiche bis 2003 für Edmund Stoiber getan hat. So wird sich der Beinahe-Bundeswirtschaftsminister nach seinem Rückzug nach München schwerer tun, im Stil eines Franz Josef Strauß gegen die "Nichtskönner" in Preußen zu sticheln.
Zum ersten Mal begegnet ist Merkel ihrem neuen Chefkommunikator 1990. Wilhelm arbeitete als Journalist für den Bayerischen Rundfunk an einem Kohl-Porträt und sprach dafür mit der ostdeutschen Jungpolitikerin Merkel. Engeren Kontakt hatten sie dann erst wieder im Bundestagswahlkampf 2002. Wilhelm war zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren Stoibers Regierungssprecher - und sein Chef hatte sich innerhalb der Union gegen Merkel als Kanzlerkandidat durchgesetzt. Die CDU-Vorsitzende hat in dieser Zeit einen guten Eindruck von Wilhelm gewonnen und kam jetzt auf den 44-jährigen Juristen zurück.
Wilhelm ist schon auf den ersten Blick für den Job als oberster Verkäufer der Regierung geeignet. Wegen seines smarten Aussehens, blond und blauäugig, verglichen ihn Wohlmeinende in München mit Robert Redford. Aber auch wenn er den Mund aufmacht, wirkt Wilhelm durchaus gewinnend. Leichter bayerischer Akzent, höflich, charmant, aber auch ein bisschen unverbindlich. Selbst in Hintergrundgesprächen erfährt man von Wilhelm wenig Aufregendes. Und wenn er es für taktisch angebracht hält, dosiert er die Wahrheit homöopathisch. So sagte er bis unmittelbar vor der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur 2002, er gehe davon aus, dass sein Chef Stoiber nicht antreten werde - dabei brannte der zu diesem Zeitpunkt schon vor Ehrgeiz, ganz Deutschland zu regieren.
In den vergangenen beiden Jahren musste Wilhelm sich weniger verbiegen. Als Amtschef des bayerischen Wissenschaftsministers Thomas Goppel organisierte er die bayerische Hochschulreform, was ihm gut gelang. Auch blieb das Ministerium als einziges von harten Einsparungen verschont.
Zur Politik hatte Wilhelm schon von klein auf Kontakt: Sein Vater Paul Wilhelm saß für die CSU viele Jahre im Landtag. Wilhelm senior hatte sich sogar einmal dem damaligen Staatskanzleichef von Franz Josef Strauß, einem gewissen Edmund Stoiber, widersetzt, als der die Abgeordneten mit rüden Methoden auf Linie bringen wollte. Offenbar trug Stoiber das dem Sohn nicht nach. Doch jetzt läuft sein Schützling zu der Frau über, die es, anders als er, ins Kanzleramt schaffte.