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Merken   Drucken   06.08.2012, 10:52 Schriftgröße: AAA

Uniqlo-Chef im Interview: Japans König der lässigen Kleider

Tadashi Yanai hat den kleinen Herrenmoden-Betrieb seines Vaters bis auf die Luxusstraßen in New York und London gebracht. Der Manager spricht über Mahjongg-Spiele während seines Studiums und den Konkurrenzdruck in Japan.
von Michiyo Nakamoto

Dass Tadashi Yanai zum Interview ohne Schlips erscheint, ist ungewöhnlich. Ob es nun um die Eröffnung der weltgrößten Uniqlo-Filiale geht oder die Bekanntgabe der glänzenden Geschäftszahlen für das erste Halbjahr - Japans König der Freizeitmode erscheint inzwischen normalerweise förmlicher gekleidet mit dunklem Anzug und Krawatte.

Yanai hat sich verändert, mehr aber noch sein Unternehmen Fast Retailing, das vor allem für die Marke Uniqlo bekannt ist. Uniqlo ist inzwischen weltweit ein Name und in bester Lage in New York, Paris oder Schanghai anzutreffen.

"Anfangs war Uniqlo Freizeitmode aus den Nebenstraßen Hiroshimas", sagt Yanai. "Dann wurden wir zur landesweit bekannten Marke in Japan. Im nächsten Schritt wollen wir zur globalen Marke werden", fügt er hinzu und kichert, als habe er einen kleinen Scherz erzählt.

Doch dem 63-Jährigen ist es sehr damit, Fast Retailing  zum größten und mächtigsten Bekleidungsunternehmen der Welt auszubauen. Die ersten Geschäfte außerhalb Japans wurden 2001 in London eröffnet, 2006 folgte ein Flagship-Store im New Yorker Stadtteil Soho. Inzwischen hat Yanai das Expansionstempo deutlich angezogen - in acht Städten, darunter London, Paris und Seoul, wurden neun Geschäfte in bester Lage eröffnet. Die Marke hat sich beim anspruchsvollen und modebewussten Publikum zum Trendsetter entwickelt - und Yanai zum reichsten Mann Japans gemacht. Auf 10,6 Mrd. Dollar schätzt ihn das Magazin "Forbes".

Passanten gegen in Tokio an einem Uniqlo-Geschäft vorbei   Passanten gegen in Tokio an einem Uniqlo-Geschäft vorbei

Aus Japan in die Welt

Yanai wuchs als Sohn einer Familie auf, die in der verschlafenen westjapanischen Stadt Ube ein Geschäft für Herrenmode besaß. Er war nicht immer so getrieben, wie er heute wirkt: Den Großteil seines Studiums an der renommierten Universität Waseda verbrachte er mit Mahjongg.

Erst als sein Vater ihn nach Ube ins Familiengeschäft zurückbeorderte, fand Yanai seine Berufung. Die Arbeit im Laden gefiel ihm so gut, dass er Fast Retailing rasch landesweit ausbaute, das Unternehmen an die Börse in Tokio brachte und ein Vermögen verdiente, bevor er das Ausland ins Visier nahm.

Die ersten Schritte außerhalb Japans waren nicht ganz einfach, wie Yanai einräumt. Vom Erfolg im eigenen Land beflügelt, meinte Yanai, Uniqlo sei bereit für den Auftritt auf der Weltbühne. Erster Halt: London.

"Es war ein völliger Fehlschlag", sagt er. Der Großteil der britischen Läden musste 2003 geschlossen werden, erst 2007 eröffnete Yanai ein Geschäft auf der Londoner Oxford Street.

Auch in China tat man sich schwer. Die beiden 2005 in Peking eröffneten Geschäfte wurden kein Jahr alt. Wegen seiner mangelnden Auslandserfahrung hatte Fast Retailing die unvertrauten Märkte völlig falsch eingeschätzt.

Doch diese Rückschläge nahmen Yanai nicht den Mut: Er wollte auch weiterhin im Ausland expandieren und Uniqlo zur globalen Marke machen. Er mag nicht der Größte sein, aber er denkt groß.

"Es mag jetzt wie ein Traum oder ein Witz erscheinen, aber vielleicht können wir sogar eines Tages Gap  übernehmen", schrieb er 2009 in einem Buch über sein Unternehmen. "Wenn man immer an seine Träume oder Ziele denkt, entschlossen auf sie hinarbeitet und sich immer wieder Herausforderungen stellt, wird man diese Träume oder Ziele definitiv in die Tat umsetzen können."

Japans Bevölkerung schwindet und überaltert, die Konjunktur steckt in einer hartnäckigen Deflation. Deshalb blieb Fast Retailing keine andere Wahl, als im Ausland neues Wachstum zu generieren. Yanai macht kein Hehl aus seiner Besorgnis um den wirtschaftlichen Verfall Japans und seine Verachtung für die Art und Weise, wie Japans Politiker und Beamte mit der Situation umgehen.

"Japan wird zu Griechenland oder Portugal"

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