Der Neue gibt sich leise. Fast unbemerkt gleitet Volkmar Denner in den Saal und setzt sich an seinen Platz. Er schweigt lange, überlässt Franz Fehrenbach das Wort bei der Bilanzvorlage.
Der scheidende Bosch-Chef führt durch die Konferenz. Er warnt vor einer Stagnation in Europa und weist darauf hin, dass der Technologiekonzern trotzdem um bis zu fünf Prozent wachsen werde. Das Signal ist klar: Obwohl der Nachfolger feststeht, ist Fehrenbach alles andere als eine lahme Ente.
Ende März hatte die Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen. Ein Führungswechsel bei dem Stiftungskonzern Bosch ist immer auch ein Zeitenwechsel. Fast zehn Jahre lang diente Fehrenbach seinem Unternehmen an der Spitze.
Denner wird erst der siebte Bosch-Chef in der 126-jährigen Geschichte des Konzerns sein. Brüche mögen sie hier nicht am Firmensitz auf der Schillerhöhe bei Stuttgart. Bei Bosch vollziehen sich Wechsel traditionell gleichmäßig surrend wie ein Elektromotor.
Denner kennt die Traditionen genau. Er ist 26 Jahre lang im Unternehmen und seit 2006 Mitglied der Geschäftsführung. Ein typisches Eigengewächs. Und er weiß genau: Eitelkeiten sind hier unerwünscht.
Entsprechend zurückhaltend beschreibt er sein Programm: "Zum einen stehe ich für Kontinuität", holt Denner aus. Schließlich sitze er seit sechs Jahren in der Chefetage. Er würde sich doch unglaubwürdig machen, wenn er nun radikale neue Weichenstellungen verkünden würde. Doch dann rutscht ihm doch eine Bemerkung heraus, die zeigt, dass nicht alles beim Alten bleiben wird. Mit leiser Stimme fügt er hinzu: "Natürlich werde ich andere Schwerpunkte setzen." Doch sei es zu früh, darüber zu sprechen.
Was Denner mit Bosch vorhat, wird deutlich, als er über die Forschungsaktivitäten des Konzerns sprechen darf. Das Feld, für das er bislang verantwortlich ist. Er berichtet über die knapp 27.000 Mitarbeiter in der Entwicklung von Bosch und geht dann über auf Indien, wo bereits 8000 von ihnen arbeiten. Die meisten von ihnen sind Software-Spezialisten. Denner ist bei seinem Thema angelangt.
Denn der neue Chef muss eine stille Revolution bei dem Unternehmen vorantreiben. Das Ziel ist ehrgeizig. Alle Produkte des Konzerns sollen für das Internet fit gemacht werden. Im Großen wie im Kleinen. "Ein markantes Beispiel ist die neue Version 1.5 unserer Navigations-App", fachsimpelt Denner. Darin integriert ist ein Mitfahrservice. Mit Hilfe eines Mobilitätsportals können interessierte Fahrer einen Passanten aufnehmen, der sich in der Nähe befindet.
All das steckt bei Bosch noch in den Kinderschuhen. Das Unternehmen hat derzeit 450 Mitarbeiter in der Softwaresparte und will die Zahl bis 2015 auf 1000 steigern. Das allein, räumt Denner ein, wird nicht genügen.
Ziel ist der vernetzte Konzern. Die Technik im Auto kommuniziert mit dem Kühlschrank und der wiederum mit der Heizungsanlage. Vorteil für Bosch: Der Konzern stellt alle diese Produkte selbst her.
Großen IT-Firmen wie Google fehlt dieses Fachwissen, obwohl sie im Hinblick auf Software-Innovationen Bosch überlegen sind. Dort sieht Denner die Lücke. "Wir bauen eine besondere Softwarexpertise auf", sagt Denner. Auf jeden Fall bleibe Bosch ein Unternehmen, das für technische Systeme steht. Mit Firmen wie Google sei er übrigens im Gespräch.