Fischfrauen stehen auf bunte Männchen. Aber wer farbig schillert, fällt besonders auf und wird leichter gefressen. Guppys, die in Tümpeln mit vielen Feinden leben, sind darum grau. So können sie sich im Kies verstecken. Mit jeder Generation passen sich die kleinen Fische ihrer Umgebung besser an. Das ist Evolution. Der Zufall bringt Neues hervor, und die Auslese entsorgt Fehlschläge.
Unternehmen können von der Natur einiges lernen, besonders übers Fehlermachen, schreibt Wirtschaftsjournalist Tim Harford. Mutter Natur mache zwar haufenweise Fehler, aber sie korrigiere sie sofort: Passt eine Mutation nicht in ihre Umgebung, stirbt sie. Auch Wesen, die den Anschluss an die Entwicklung um sie herum verlieren, verenden. Unternehmen am Markt ergeht es ähnlich: Fuji, Olympus und Leica beispielsweise blieben lieber bei den vertrauten Kleinbildkameras, als sich mit den ungewohnten Digitalkameras abzumühen, mit denen sie sich nicht auskannten.
Wer jedoch vorankommen will, schreibt Harford in "Trial and Error", müsse darüber nachdenken, wie man Probleme lösen kann: durch Experimentieren nämlich (und nicht, indem man auf Experten hört). So wenig wie die Evolution könne auch das Marktgeschehen gesteuert werden, schreibt der Autor des Bestsellers "Ökonomics". Innovationen brauchen Zufälle, Zufälle brauchen Räume für Experimente und die Bereitschaft, Fehler zu machen. In den meisten Firmen fehle beides.
Kein Unternehmer will der bunte Guppy im Tümpel voller Feinde sein. Darum erklärt Harford, wie man experimentiert, ohne sich von jeder Strategie zu verabschieden oder gar den Bankrott zu riskieren: mit einer dezentralen Organisation, in der jeder Mitarbeiter Ideen haben kann und in der Manager Fehler einzugestehen und zu korrigieren lernen. Das nämlich fällt den meisten Menschen schwer. Im Gegensatz zum Guppy, der mit einem Happs verschwindet, haben wir jedoch die Möglichkeit dazu.
Informationen zum Buch: Tim Harford: Trial and Error - Warum nur Niederlagen zum Erfolg führen, Rowohlt, 432 S., 19,95 Euro