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Trommeln gehört zum Feldzug, aber solche Paukenschläge lassen aufhorchen: "Die Republikanische Partei ist in die Hände von Radikalen geraten, von Leuten, die das 20. Jahrhundert rückgängig machen wollen." Paul Krugman, US-Ökonom mit linken Neigungen, gehört seit Jahren zu den unerbittlichsten Gegnern der Bush-Administration, deren Ende er voller Erleichterung entgegensieht. "Nach Bush" heißt seine Streitschrift, die die Neokonservativen desavouieren und zugleich Wege aus dem gesellschaftlichen Trümmerfeld aufzeigen will, das sie hinterlassen haben.
Wie das Buch muss freilich auch das Prädikat "links" aus dem Amerikanischen übertragen werden. Im hiesigen Licht betrachtet schreibt hier ein Sozialdemokrat, dessen Radikalität sich darauf beschränkt, eine staatliche Krankenversicherung zu fordern und die Ungleichheit der Einkommen durch "marktfremde Maßnahmen" zu lindern.
Krugmans Leitbild ist die "große Kompression" der Ära Franklin D. Roosevelt. Was dem US-Präsidenten ab 1933 im New Deal gelang, einen vitalen Mittelstand zu schaffen, indem er den Gewerkschaften den Rücken stärkte und Reichtum hoch besteuerte, bröckelt seit den Regierungen der 80er-Jahre. Facharbeiter gehören nicht mehr automatisch zur Mittelschicht, die Wohlstandsentwicklung stagniert, während die Zahl der Superreichen wächst. Der Autor hält diese Kluft für obszön und fragt sich, wie in einer Demokratie Männer an die Macht kommen konnten (zweimal Reagan, dreimal Bush), die gegen die Interessen der Mehrheit handelten.
Seine Antwort: Rassismus brachte die New-Deal-Errungenschaften zu Fall. Indem es den Neocons gelang, den Sozialstaat unterschwellig mit rassistischen Motiven zu kontaminieren, wurde sozialstaatsfeindliche Politik für Weiße aller Schichten attraktiv: "Die Hinterlassenschaft der Sklaverei ist der Grund, warum wir die einzige hoch entwickelte Volkswirtschaft sind, die ihren Bürgern keine medizinische Versorgung garantiert." Da moralische Appelle gegen diese Unanständigkeit kaum fruchten, nährt Krugman demografische Hoffnungen: Der Anteil "klassischer" weißer Wähler sänke zugunsten der Hispanics. Das klingt etwas nach Pfeifen im Walde, denn ansonsten kann Krugman für ein Revival der Demokraten nur Vernunftgründe anführen, die schon immer schwächer waren als Ressentiments.
Überzeugen kann seine Betrachtung der staatlichen Krankenversicherung: "Die Gesundheitsversorgung entpuppt sich als ein Bereich, in dem es das moralisch Richtige ökonomisch gesehen umsonst gibt." Krugman rechnet vor, dass das Privatversicherungssystem der USA mit seiner hohen Quote an Unversicherten insgesamt viel teurer ist, als es eine staatliche Krankenversicherung für alle wäre.
Wunderlich wirkt Krugmans unumschränktes Lob europäischer Modelle - von hiesigen Strukturproblemen hat der Princeton-Ökonom nicht viel mitbekommen. Seine Sympathie gilt dem zentralistischen Frankreich. Doch dort haben die Wähler gerade Sarkozy inthronisiert, damit er etliches von dem wegreformiert, was Krugman so gut gefällt. Welche Motive mögen die Gallier da nur umgetrieben haben?
| Nach Bush |
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| Paul Krugman | Campus 2008 | 320 Seiten | 24,90 Euro | ISBN 978-3593385655 zur Buchbestellung. |