Enable ist die Ideengrube für Manager und Unternehmer: mit Lösungswegen, Case Studies und Managementgeschichten zum Nachmachen.
Die Historie von Unternehmen, puh! Entweder werden beflissen Lorbeerkränze geflochten, oder es wird - weniger peinlich - hölzern akademisiert. Langweilig ist beides.
Unnötigerweise, wie Angelika Epple zeigt. Ihr Werk setzt neue Maßstäbe, und zwar durch einen Perspektivwechsel: Nicht das Unternehmen steht im Mittelpunkt, sondern die Zeitläufte. In diesem Fall: Globalisierung im 19. und 20. Jahrhundert. Anschließend wird geguckt, wie sich das Unternehmen - die Kölner Schokoladenfabrik Stollwerck - von Strömungen und Entwicklungen mittreiben ließ, sie vorantrieb oder sich ihnen widersetzte. Die Unternehmens- als Mikrogeschichte "erlaubt Einblicke in das Zusammenspiel von Lokalem und Globalem, in die Rückwirkung der Globalisierung auf einzelne Individuen, auf Unternehmensstrategien, auf die miss- oder gelungene Führung eines Weltgeschäfts".
Epple fragt sich, warum die Analyse übergeordneter Strukturen und die Geschichte einzelner Personen von den Historikern als vehemente Gegensätze wahrgenommen werden. "Dass dem nicht so sein muss, zeigt das vorliegende Buch", schreibt sie selbstbewusst, und das völlig zu Recht.
Wenn ihr etwas vorzuwerfen ist, dann höchstens, dass die Geschichtsprofessorin von der Universität Bielefeld die Latte arg hoch legt. Ein Drittel der verwendeten Literatur hätte locker gereicht, um selbst dieses weite Feld zu beackern. Epple wagt sich an viele Erzählstränge: die Entwicklung des Fast Food, der soziale Status von Handlungsreisenden ... und eine ausgiebige Reflexion, warum Schokolade als Produkt der Industrieländer sich vom Kakao als Kolonialprodukt absetzt. Und was das alles mit Stollwerck zu tun hat, weil ja Lokales und Globales immer zusammen- und ineinanderspielen. Wie es Epple gelingt, das Allgemeine sichtbar zu machen im Speziellen und umgekehrt, dafür ein spätes (denn brandneu ist das Werk nicht) Dankeschön.