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Merken   Drucken   07.05.2012, 06:00 Schriftgröße: AAA

Zusammenarbeit im Team: Über den Umgang mit schwierigen Kollegen

Der Kollege ist ein schwieriger Zeitgenosse, der Chef ein manischer Choleriker. Manchmal können wir uns nicht aussuchen, mit wem wir zusammenarbeiten, aber wir können lernen, damit klar zu kommen.

Es klappt einfach nicht. Ständig dieses besserwisserische Gehabe, diese häufigen Meinungsunterschiede, Kommunikationsschwierigkeiten und Gemeinheiten. Menschen sind unterschiedlich: Mit den einen kommt man gut aus, mit den anderen wird man einfach nicht warm. Schwierige Zeitgenossen machen es einem aber auch nicht einfach - besonders wenn kein Weg an ihnen vorbeiführt. Wenn das unausstehliche Verhalten des Kollegen oder Vorgesetzten einen zur Weißglut treibt und das Verhältnis zu ihm zum Anlass für regelmäßige Gespräche im Privatleben wird, kann eine solche Beziehung zur persönlichen Last werden. Frust, Schlafprobleme oder Krankheit können Folgen sein. Auch die Arbeit leidet: Ein schlechtes Verhältnis zu Kollegen oder zum Chef lenkt ab, demotiviert und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit. Wer seinen Kollegen oder Vorgesetzten nicht leiden mag, sollte dennoch an einer guten und produktiven Arbeitsbeziehung arbeiten. Die folgenden Strategien können dabei helfen.

Der eine rückt einem auf die Pelle, der nächste will immer Recht ...   Der eine rückt einem auf die Pelle, der nächste will immer Recht haben - was den Umgang mit den Kollegen erschwert

Steuern Sie Ihre Gefühle

Wer mit jemandem zusammenarbeitet, den er nicht ausstehen kann, hinterfragt oft das Verhalten der anderen Person: Warum macht er das und wie meint er das? Jeder reagiert dann anders: Der eine fühlt sich in dessen Umgebung unwohl, hat vielleicht ein flaues Gefühl am Abend, wenn er an den nächsten Arbeitstag denkt. Ein anderer zeigt offen seine Abneigung.

Andere zu hinterfragen ist nicht zielführend. Möglicherweise sind unbekannte private Probleme wie eine gerade durchlebte Trennung oder die schlechte finanzielle Situation der Grund für das wenig kollegiale Verhalten. Außerdem wirken ein schlechtes Gefühl oder ein Ausraster am Arbeitsplatz nur negativ auf Sie selbst zurück. Es ist effektiver, zu akzeptieren, was man nicht ändern kann und vielmehr auf das eigene Verhalten, das man ändern kann, zu achten.

Kontrollieren Sie Ihre Gefühle: Lassen Sie sich durch eine Antwort oder eine Reaktion der anderen Person nicht provozieren, sondern nehmen Sie eine Bedenkzeit und reagieren Sie sachlich. Wenn Sie das Gefühl haben, angegriffen worden zu sein oder wenn Sie sich innerlich aufregen, dann atmen Sie erst einmal durch. In einer unerwarteten Konfliktsituation legen Stresshormone das Gehirn lahm und das Unterbewusstsein reagiert, ohne dass Sie dies direkt steuern können. Ein unbedachte Reaktion könnte dann die Situation verschärfen. Beobachten Sie sich selbst, wie Sie reagieren.

Lästern Sie nicht

Das Verhalten des nervtötenden Kollegen oder des cholerischen Projektleiters ist ein beliebtes Gesprächsthema. Zum einen, weil der Frust ein Ventil braucht, zum anderen, weil die eigene Meinung über die andere Person bestätigt werden will. Wer aber am Arbeitsplatz über andere herzieht und sich wiederholt beschwert, kann schnell selbst als schwierige Person abgestempelt werden. Außerdem wird ein solches Verhalten als unprofessionell empfunden. Nicht zuletzt stört es das Betriebsklima. Sollte ein abfälliger Kommentar zufällig an den falschen Empfänger gelangen, gerät man schnell selbst in die Schusslinie der Kollegen. Das kann sich wiederum negativ auf die eigene Person und die Karriere auswirken.

Werden Sie Ihren Frust los, indem Sie das Gespräch mit einem Menschen aus Ihrem privaten Umfeld suchen, wenn Sie das brauchen. Am Arbeitsplatz ist das tabu.

Seien Sie kritisch mit sich selbst

Vielleicht ist der andere gar nicht so unausstehlich, wie Sie ihn wahrnehmen. Fragen Sie sich deshalb: Was genau ist es, was mich auf die Palme bringt? Ist Ihr Kollege oder Chef vielleicht ganz anders als Sie selbst? Sind Sie neidisch auf seine Position oder erinnert er Sie an jemanden, mit dem Sie keine guten Erfahrungen gemacht haben? Persönliche Unterschiede, Neid und negative Gefühle können Gründe dafür sein, dass Sie den anderen falsch wahrnehmen und ihn voreingenommen behandeln.

Machen Sie sich bewusst, dass es Charaktereigenschaften der anderen Person sein können, worüber Sie sich ärgern. Diese können und sollen Sie nicht ändern. Für eine gute Arbeitsbeziehung sollten Sie sich vielmehr fragen: Wie verhält sich die Person mir gegenüber? Ein Teil des Konflikts könnte demnach bei Ihnen selbst liegen. Seien Sie ehrlich mit sich selbst.

Lernen Sie Ihren "Feind" besser kennen

Es klingt widersprüchlich, aber es ist ein wirksames Mittel, um das Verhalten des anderen besser nachvollziehen zu können. Sie sollten mehr Zeit mit dem unbeliebten Kollegen verbringen. Wer mehr über den anderen weiß, kann ihn besser verstehen. Sie könnten so neue Seiten an ihm kennenlernen und betrachten ihn mit neuen Augen. Vielleicht erfahren Sie die Gründe für sein Verhalten oder machen positive Erfahrungen, die die Zusammenarbeit bereichern.

Allerdings sollten Sie bedenken: Nicht bei jedem wirkt diese Strategie. Diejenigen, die jegliche Regeln von Sitte und Moral verletzen, ist Abstand die beste Lösung. Überlegen Sie also gut, mit wem Sie sich zum Beispiel auf ein neues Projekt einlassen.

Teil 2: Erste Hilfe - ein klärendes Gespräch

  • FTD.de, 07.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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