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FTD-Serie: Annes Antwort

Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.
Merken   Drucken   20.08.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Annes Antwort: Business Zank

Als Beraterin und Coach kennt sich Anne Weitzdörfer mit Problemen im Büro bestens aus. Jede Woche beantwortet sie hier Ihre Fragen. Diesmal: Was tun, wenn ich mich mit meinem Geschäftspartner wegen jeder Kleinigkeit streite?
von Anne Weitzdörfer

Das Problem Ich mache mich gerade mit einem Freund selbstständig. Wir sind beide sehr unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Das macht eine gemeinsame Unternehmung so reizvoll. Allerdings kriegen wir uns schon jetzt wegen absoluter Kleinigkeiten in die Haare. Ich habe danach jeweils schlaflose Nächte und möchte am liebsten sofort alles hinschmeißen. Denn wenn das bereits am Anfang so ist, wie soll das nur werden, wenn wir vielleicht mal richtige Probleme haben? Was raten Sie?

Sebastian, 28 J., Unternehmensberatung

Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer

Annes Antwort Gemeinsam ein Unternehmen zu gründen ist eine ziemlich große Sache und will wohlüberlegt sein. Insofern ist es doch nur gut und richtig, dass Sie das Vorhaben und sich selbst kritisch hinterfragen. Auch dass Sie sich ergänzen, ist grundsätzlich toll - wenn der eine zum Beispiel eine Vorliebe für Finanzen und Technik hat und der andere für den Vertrieb. Ich bin sicher, dass Sie sich über die Aufgabenverteilung in Ihrer gemeinsamen Unternehmung bereits Gedanken gemacht haben.

Aber hinter unterschiedlichen Typen mit unterschiedlichen Fähigkeiten verbirgt sich meistens auch ein völlig anderer Arbeitsstil. Während der Finanzer meist strukturiert und analytisch seine Aufgaben angeht, macht der Vertriebler seinen Job oft aus dem Bauch und bringt dafür wenig zu Papier. Und wo der eine gern morgens um acht am Schreibtisch sitzt, macht der andere seine Hausaufgaben gern abends beim Glas Rotwein mit dem Laptop auf den Knien. Deutlich wird, dass das eine nicht besser und nicht schlechter ist als das andere. Es sind einfach zwei unterschiedliche Arbeitsweisen. Und genau darüber sollten Sie auch sprechen.

Am besten setzen Sie sich formlos zusammen und tauschen sich über die gegenseitigen Erwartungen aus: Was ist ihm wichtig, was ist Ihnen wichtig? Der eine mag keine langen E-Mails, der andere keine morgendlichen Anrufe. Während der eine gern feste Termine mit Agenda macht, trifft sich der andere gern auf Zuruf. Und was für den einen nach mangelndem Engagement aussieht, ist für den anderen kreativer Freiraum, den er braucht. Ich hoffe, die Beispiele geben Ihnen ein Gefühl, wie viele Interpretationsmöglichkeiten und wie viel Raum für Missverständnisse es hier gibt. Insofern klingt ein Erwartungsaustausch sehr trivial, ist aber doch ein sehr wirksames Instrument, um die Präferenzen des anderen im Alltag kennenzulernen. Und ein klares Bild zu erhalten, was ihm wichtig ist.

Der allerwichtigste Punkt aber ist, dass Sie sich gegenseitig in Ihrer Andersartigkeit akzeptieren. Und nicht permanent versuchen, den anderen zu ändern. Wenn das gelingt, haben Sie hoffentlich deutlich weniger Auseinandersetzungen und mehr Energie, um den Aufbau Ihres Unternehmens voranzutreiben.


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  • FTD.de, 20.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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