Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.
Das Problem Ich war früher als Berater für ein Unternehmen tätig. Jetzt bin ich in das Unternehmen gewechselt und habe ein großes internationales Projekt übernommen. Mein Problem: Ich habe einen Mitarbeiter, mit dem ich vorher gut zusammengearbeitet habe, der jetzt einfach nur bockig, anstrengend und unzugänglich ist. Die letzten Wochen hat es nur genervt, aber langsam geht mir die Geduld aus, und ich überlege jeden Tag, wie ich ihn loswerden kann. Aber das kann ja auch nicht die Lösung sein. Was tun?
Alexander, 42 J., Projektentwicklung
Annes Antwort Wenn Sie beide über Monate gut zusammengearbeitet haben, spricht ja einiges dafür, dass die Verhaltensänderung des Mitarbeiters mit Ihrem Wechsel in die Firma zusammenhängt. Die Frage, ob er vielleicht gern Ihren Job gehabt hätte, liegt auf der Hand.
Vielleicht hat er sich beworben, und stattdessen wurde ein Kandidat von außen eingestellt - Sie nämlich. Da interne Bewerbungen bei gleicher Qualifikation eigentlich zu bevorzugen sind, ist das natürlich eine klare Absage an seine Kompetenz. Im schlechtesten Fall lief dazu die Kommunikation nicht rund, und schon haben Sie den Salat. Das ist natürlich in erster Linie nicht Ihr Problem. Aber Sie kriegen es ab: Der Neue als Projektionsfläche für alles Schlechte der vergangenen Wochen.
Nehmen wir an, Sie machen das Problem nicht zu Ihrem. Und bewerten nur die gebrachte Leistung. Wer nicht performt, fliegt raus - in guter alter Beratungsmanier. Dazu führen Sie ein oder zwei klärende Gespräche mit deutlichem Feedback. Wenn das nicht funktioniert, wird sich getrennt. Aber mal ehrlich, wollen Sie so sein? Zum einen haben Sie gut zusammengearbeitet, zum anderen wäre das schlechter Stil.
Diese Geschichte kann jedem passieren. Und mit Härte erreichen Sie hier aus meiner Sicht gar nichts. Also bauen Sie dem Kollegen eine Brücke, über die er aus dem Frust rauskommt. Wie das geht? Sie erkundigen sich in einer ruhigen Minute: "Woran liegt es, dass wir früher so gut zusammengearbeitet haben, und seit ich hier bin, ist irgendwie der Wurm drin?" Lassen Sie ihn erzählen. Wenn er es nach einer Weile nicht von selber anspricht, fragen Sie ihn ganz direkt, ob er gern Ihren Posten gehabt hätte. In einer guten Gesprächsatmosphäre wird er das vielleicht sogar zugeben. Und wenn die Katze einmal aus dem Sack ist, können Sie auch offen darüber reden.
Natürlich haben Sie Verständnis für seinen Frust, aber die Situation ist auch für Sie nicht einfach. Sie brauchen ihn für das Projekt und wollen sich auf ihn verlassen. Das wird er wiederum verstehen. Vielleicht hilft es ihm auch, den Frust mal dort zu adressieren, wo er entstanden ist? Ich glaube, wenn Sie über Ihren Schatten springen und dieses Gespräch mit Fingerspitzengefühl führen, kann das für beide ein Neustart in gute alte Zeiten sein.
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