FTD.de » Karriere » Recht + Steuern » So durchleuchtet der Fiskus den Steuerzahler
Merken   Drucken   03.08.2012, 09:49 Schriftgröße: AAA

Kampf gegen Hinterziehung: So durchleuchtet der Fiskus den Steuerzahler

Moderne Datentechnik macht es möglich: Das Finanzamt kommt Steuerzahlern immer leichter auf die Schliche, wenn die steuerpflichtiges Kapital verschweigen. Die FTD erklärt, wie das geht und wie die Rechtsgrundlagen sind.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Kai Remmers
Moderne Datentechnik macht es möglich: Das Finanzamt kommt Steuerzahlern immer leichter auf die Schliche, wenn die steuerpflichtiges Kapital verschweigen. Die FTD erklärt, wie das geht und wie die Rechtsgrundlagen sind.
von Robert Kracht

Mit Einführung der bundeseinheitlichen Steuernummer (ID) im Jahr 2008 fing es zunächst noch recht harmlos an. Heute ist der gläserne Steuerzahler längst keine Utopie mehr. Von allen Seiten wird er unter Zuhilfenahme moderner EDV-Technik durchleuchtet mit dem Ziel, steuerpflichtiges Kapital aufzuspüren. Die FTD geht neuen und bekannten Kontrollmaßnahmen nach, von denen auch redliche Anleger betroffen sind. Sie müssen den Fiskus immer häufiger davon überzeugen, dass die bei ihm vorliegenden Daten zu denen in der Steuererklärung passen.

Derzeit ist eine ganze Reihe von Gesetzen in Arbeit, die dem Ziel der größeren Steuertransparenz bei Geldgeschäften dienen. Nahezu im Wochentakt schließt Deutschland neue Doppelbesteuerungsabkommen ab und nutzt dabei die erkennbare Tendenz der Steueroasen zu größerer Offenheit. Flankiert wird dies durch das anstehende Jahressteuergesetz 2013 und die neue EU-Geldwäscherichtlinie, mit denen die Behörden auf bekannt gewordene Missbrauchsfälle reagieren. In diesem Zusammenhang hat die EU-Kommission jetzt angekündigt, die Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu verschärfen - gedacht ist an grenzübergreifende IDs, EU-Steuerprüfungen, ein Informationsportal im Internet sowie abgestimmte Aktionen gegen Steueroasen.

Das gerade in Kraft getretene EU-Beitreibungsgesetz ermöglicht bereits jetzt einen erweiterten grenzüberschreitenden Informationsaustausch, sodass etwa deutsche Finanzbeamte an Ermittlungen ausländischer Kollegen teilnehmen können. Weiter gefeilt wird am Geldwäschegesetz, was eine Ausweitung der Geldkontrollen beim Zoll sowie zahlreiche Pflichten für Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Unternehmer mit Kundenkontakten zur Folge hat. Am 1. August hat die Bundesregierung ein Gesetz beschlossen, das auch Betreiber von Glücksspielen im Internet einbezieht. Ziel ist es, die Zahlungsströme zwischen Spielern und Kasinobetreiber transparent zu machen.

Durch die Umstellung auf die ID müssen Anleger jetzt auch angeben, wenn sie ein Konto etwa in Südtirol oder auf Mallorca besitzen. Das sorgt grenzüberschreitend für einen reibungsloseren Datenabgleich zwischen ausländischem und heimischem Fiskus, indem etwa jeder kassierte Euro  Festgeldzins gemeldet werden kann. Seit 2011 ist die ID für Freistellungsaufträge Pflicht, damit lassen sich zum Beispiel Geldschenkungen besser nachverfolgen. Künftig ist es dank der Steuernummer auch möglich, dass Banken die Kirchensteuer auf Kapitalerträge einbehalten, weil sie via Internet die Konfession ihrer Kunden abfragen dürfen.

Inländische Banken melden dem Fiskus automatisch, wenn Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne aufgrund vorliegender Freistellungsaufträge steuerfrei ausbezahlt werden. Dank ID und Online-Abgleich fällt jetzt schneller auf, wer sein Freistellungspotenzial von 801 Euro ausgeschöpft hat - und welche Konten und Depots er besitzt.

Wird Geld jenseits der Grenze gebunkert, gilt die EU-Zinsrichtlinie in rund 50 Ländern. Einige Länder wie die Schweiz, Liechtenstein, Österreich und die Kanalinseln behalten derzeit noch eine anonyme Quellensteuer von stolzen 35 Prozent ein und liegen damit deutlich über dem Satz der Abgeltungsteuer. Die zehnprozentige Differenz wird aber nur erstattet, wenn Anleger ihre Auslandserträge in der Erklärung deklarieren. Reicht der Mechanismus der Zinsrichtlinie nicht aus, besteht die Möglichkeit, dass sich die EU-Staaten gegenseitig Auskünfte zur Durchführung von Steuerstrafverfahren erteilen - selbst wenn in dem betreffenden Land ein strenges Bankgeheimnis gilt. Zur Kontrolle bei ausländischen Lebensversicherungen müssen jetzt inländische Vertreter die erfolgreiche Vermittlung einer Auslandspolice melden.

Bürger sind verpflichtet, bei einem Grenzübertritt mitgeführte Barmittel ab 10.000 Euro  zu deklarieren. Finden die Zöllner kritische Geldbestände oder Depotauszüge, werden sie diese Informationen unverzüglich an die Finanzverwaltung weiterleiten. Die entsprechenden Zollvorschriften werden laufend in der EDV aktualisiert. Staatsanwälte oder Finanzämter erhalten so effektiven Zugriff auf aktuelle Daten.

Zu einer Überprüfung von Geldgeschäften im Nachhinein kommt es im Todesfall, da heimische Banken Bestände an den Fiskus melden. Werden Sparguthaben oder Wertpapiere noch zu Lebzeiten verschenkt, melden sie dies ebenfalls unter Angabe der ID von Schenker und Beschenktem.

  • Aus der FTD vom 03.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Steuer Info
  •  
  • blättern

Steuerlinks

Wissenswertes zum Thema:

 

Wie verdient der Staat am Spaß der Bürger?

Verbrauchssteuern sind eine wichtige Einnahmequelle für den Staat. Vor allem bei Genussmitteln wie Tabak oder Alkohol schröpft der Staat Geld ab. Hier einige knifflige Fragen zu Verbrauchsteuern und anderen Merkwürdigkeiten.

Schon seit langem wird Alkohol in Deutschland besteuert. Wie heißt die bereits im 19. Jahrhundert eingeführte Steuerart?

Alle Tests

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler