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Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.

Merken   Drucken   01.10.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Karrieretipps von Anne: Die Chefs fahren heim, warum muss ich bleiben?

Anne Weitzdörfer, Beraterin und Coach, kennt sich mit Problemen im Büro bestens aus. Jede Woche beantwortet sie Leserfragen. Diesmal: Ich muss Freitags immer länger bleiben, während die Chefs schon nach Hause fahren.
von Anne Weitzdörfer

Das Problem In meinem Unternehmen sind Telefonkonferenzen gerade total in. Das ist ja nicht schlimm, aber es etabliert sich gerade eine komische Gepflogenheit. Beide Geschäftsführer wohnen nicht am Ort und fahren Freitag am späten Nachmittag nach Hause. Und dann werden alle zwei Wochen die Vertriebszahlen in einer Telefonkonferenz besprochen, während beide im Auto sitzen. Und da ich wegen meiner kleinen Kinder nicht zu Hause telefonieren kann, hänge ich bis 19 oder 20 Uhr in der Firma. Ich will das auf Dauer nicht - was tun?

Sven, 40 Jahre, Bezirksleiter Vertrieb, Mittelstand

Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer

Annes Antwort Das klingt doch nach einer starken Lösung! Alle Bezirksleiter sind telefonisch verfügbar, die aktuellen Vertriebszahlen werden "frisch" besprochen, mögliche Aufträge abgeleitet, und im Idealfall gehen alle Beteiligten mit einem guten Gefühl ins Wochenende. Ziemlich perfekt für Ihre Geschäftsführer. Und ziemlich doof für Sie.

Sie schreiben, dass sich gerade "eine Gepflogenheit etabliert". Schön ausgedrückt. Aus genannten Gründen wird diese sich auch schön weiter etablieren, wenn Sie und Ihre Kollegen nichts dagegen tun. Die Zeit absitzen ist also keine Option.

Auf der anderen Seite klingen Sie nicht so, als wollten Sie selbst die Rebellion anführen. Also müssen Sie jemanden finden, der diesen Job übernimmt. Wie das geht? Sie überlegen, wer sonst die unangenehmen Themen anspricht. Oder auch als Meinungsführer gilt. Bei dem und am besten noch bei zwei, drei anderen machen Sie ein bisschen Stimmung. Und merken an, dass die Freitags-Telko Ihnen gegen den Strich geht und den Start ins Wochenende vermiest. Mit etwas Glück springen die Kollegen in die Verantwortung und regeln das für Sie.

Alternativ fahren Sie einfach auch nach Hause und telefonieren ebenfalls im Auto. Das macht es zeitlich nicht viel besser, aber zumindest kriegen Sie keine Aggressionen, weil Sie drei Stunden nach allen anderen das Licht ausmachen - Aggressionen, die Sie dann womöglich an Frau und Kindern auslassen.

Sie könnten Ihre Chefs auch mit den eigenen Waffen schlagen und die Telefonkonferenz von zu Hause führen. Wir reden schließlich über Freitagabend! Wenn dann immer mal wieder ein schreiendes Kind für Aufmerksamkeit sorgt, merken Sie ganz selbstverständlich an, dass Ihre Frau beim Sport ist und Sie die Kinder haben ("Tut mir leid, ich bin gleich wieder da!").

Damit ist der erste Schritt getan und alles andere eine Frage der Zeit. Dieses Vorgehen müssen Sie aber ein paar Wochen durchhalten und dürfen nicht einknicken - auch wenn es schwerfällt. Über kurz oder lang werden Ihre Kollegen schon merken, dass das für Sie kein gangbarer Weg ist. Und endlich zur guten alten Besprechung am Nachmittag zurückkehren. Mit Gegenübersitzen und Kaffee und Keksen - ganz wie früher.


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  • FTD.de, 01.10.2012
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