Es gibt gute Gründe, sich einen professionellen Steuerberater zu engagieren. Man kann unter dem Strich viel Geld sparen - und Zeit. Doch nicht alle Profis verhalten sich wie Profis. Auch den richtigen Steuerberater zu finden, ist nicht so einfach, zumal das Angebot sehr groß ist. Aber es gibt entscheidende Kriterien, mithilfe derer man einen guten Steuerberater finden kann.
Das FTD-Schwestermagazin Capital hat sechs Kriterien zusammengestellt, die Sie anlegen können, um einen richtigen Steuerberater zu finden und einzuschätzen, wie gut Ihr Steuerberater für Sie arbeitet.
Vorbildliche Steuerberater interessieren sich für ihre Mandanten und stellen deshalb auch ganz persönliche Fragen.
Das Steuerrecht betrifft fast alle Facetten des Lebens: Der Unterhalt fürs uneheliche Kind, schwere Krankheiten mit entsprechend hohen Behandlungskosten oder Ausgaben fürs Auslandsstudium der Tochter - all das kann sich Steuer sparend auswirken. Voraussetzung: Der Steuerberater weiß Bescheid. Die nötigen Informationen sind keine Bringschuld des Mandanten, sondern müssen im Rahmen der Pflicht zur Sachverhaltsaufklärung erfragt werden. Ratsuchende sollten schon beim ersten Gespräch darauf achten: Wie viel will der Steuerberater wissen, was notiert er sich, welche Unterlagen bittet er zum nächsten Termin mitzubringen? Vorsicht ist geboten, wenn sich beim Kanzleibesuch ein Gefühl der Hektik einstellt. Wichtig: Gute Steuerberater haken nicht nur Checklisten ab - sie versuchen vielmehr zu erfahren, was ihren Kunden wichtig ist. Zum Beispiel die Angehörigen gut versorgt zu wissen, eine Ferienimmobilie im Ausland kaufen oder eine Stiftung gründen zu wollen. Spitzenberater sammeln solche Informationen und nennen Mandanten unaufgefordert Gestaltungsmöglichkeiten zum Steuersparen.
In Topkanzleien wird Klartext geredet - und emanzipierte, gut informierte Mandanten werden geschätzt.
Steuerberater sind Experten mit einem riesigen Fachwissen. Die guten Steuerberater lassen das aber nicht raushängen. Sie bemühen sich stattdessen, Klartext zu reden. Sie wissen: Nur im angeregten Dialog mit den Mandanten lassen sich Potenziale ausloten, die Steuerlast zu drücken. Standard in den meisten Steuerberater-Kanzleien sind mittlerweile Websites und ein E-Mail-Newsletter. Internetpräsenzen und Newsletter dienen vielen Steuerberatern allerdings nur als Alibi, ihren Informationspflichten nachzukommen. Die Vorreiter der Branche geben sich mehr Mühe, produzieren professionell gestaltete Kanzleimagazine, stellen Themendossiers zusammen, laden zu Infoveranstaltungen ein, individualisieren ihre Post oder halten ihre Mandanten persönlich auf dem Laufenden. In solchen Kanzleien wird auch niemand schief angesehen, der mit einem herausgerissenen Steuerartikel ankommt und sich erkundigt, ob er von der darin geschilderten Neuregelung profitieren kann.
Wer Mandanten ernst nimmt, ist für sie schnell und unkompliziert zu sprechen oder ruft garantiert schnell zurück.
Eines hassen Kunden wie die Pest - wenn sie ihren Steuerberater nicht erreichen können. Darin sind sämtliche Studien unmissverständlich. Dennoch ist die Botschaft noch nicht überall angekommen. Vorbildliche Steuerberater haben ihre Kanzlei so organisiert, dass nach höchstens vier Bürostunden der Rückruf erfolgt. Einige garantieren diesen Service sogar.
Das bestandene Examen ist eine pure Momentaufnahme. Exzellenz erreichen Berater nur durch Weiterbildung.
Serviceorientierte Steuerberater informieren schon auf ihren Internetseiten darüber, welche Weiterbildungen sie und ihre Mitarbeiter wann absolviert haben. Eine persönliche Nachfrage lohnt allerdings. Denn das Berufsrecht schreibt zwar eine ständige Fortbildung vor, kontrolliert - geschweige denn bei Nichteinhaltung sanktioniert - wird das jedoch nicht. Mandanten müssen also den Angaben ihrer Steuerberater vertrauen. Clevere Steuerzahler sollten zumindest hin und wieder Tipps zum Steuersparen und Meldungen über Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) lesen. Beim nächsten Kanzleibesuch lässt sich so beiläufig die eine oder andere Testfrage stellen: Wie war das noch mal mit dieser BFH-Entscheidung? Je nach Reaktion lässt sich selbst für den Laien leicht ermessen, ob der Steuerberater des Vertrauens im aktuellen Stoff steht oder nicht.
Vorreiter der Branche haben ein Qualitätsmanagementsystem und lassen das zertifizieren.
Die meisten Haftungsfälle von Steuerberatern entstehen durch Schlamperei und Missmanagement in der Kanzlei. Exzellente Steuerberater haben daher ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) eingeführt und von externen Spezialisten zertifizieren lassen. Die strengsten Kriterien werden beim Qualitätssiegel des Deutschen Steuerberaterverbands (DStV) erfüllt. Deutlich weniger strikt, aber ebenfalls beliebt sind die Kriterien nach der Norm ISO 9001:2008. Einige Steuerberater verzichten auf die Siegel und werben mit einem eigenen QMS. Mandanten sollten hier kritisch nachfragen und sich die Kriterien vom Kanzleiinhaber in Ruhe erklären lassen.
Guten Steuerberatern ist wichtig, dass Mandanten die Rechnung verstehen und mit Preis und Leistung zufrieden sind.
In Seminaren wird Steuerberatern empfohlen, möglichst oft individuelle Vergütungsvereinbarungen mit den Mandanten zu treffen - weil diese deutlich lukrativer sind als die Abrechnung nach der Gebührenverordnung. Steuerberater, die das vorschlagen, sollten nachvollziehbare Argumente vorbringen und diese verständlich erklären können. Achtung: Einige Steuerberater erliegen der Versuchung und setzen auf Factoring, sie verkaufen also ihre Forderungen. Mandanten sind dann überrascht, wenn sie plötzlich Mahnungen von einer fremden Steuerberatungsgesellschaft bekommen. Der Anbieter Degev wirbt zum Beispiel unumwunden mit "Factoring und Forderungsmanagement ohne Notwendigkeit der Zustimmung Ihrer Mandanten". Tipp: Fragen Sie Ihren Steuerberater, wie er zu dem Thema steht!
Wenn Sie diese Tipps beherzigen, sollten Sie einen guten Steuerberater finden.