Die Macher hinter den News: Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Vor einem Jahr stand Ilse Aigner schon einmal kurz vor dem Sprung ins Rampenlicht. Damals wäre sie fast CSU-Generalsekretärin geworden. Doch Erwin Huber entschied sich für Christine Haderthauer - und ersparte Aigner damit das folgende Desaster.
Im Nachhinein, hat Aigner einmal gesagt, war sie ganz froh, dass sie den Job nicht bekommen hat. Jetzt zeigt sich, dass sich das Warten gelohnt hat. Der neue Parteichef Horst Seehofer bestimmte sie am Donnerstag zur neuen Agrarministerin. Die 43-jährige Bundestagsabgeordnete ist damit die Jüngste im Kabinett.
Mit Äußerungen zur Agrarpolitik oder zum Verbraucherschutz ist Aigner bislang nicht groß aufgefallen. Die vergangenen drei Jahre hat sie sich vor allem mit Bildungspolitik beschäftigt. Im Schatten ihrer engen Vertrauten, CDU-Forschungsministerin Annette Schavan , frischte sie Unionspositionen auf. Das Agrarministerium kennt sie aus ihrer Zeit als Haushaltspolitikerin. Von 2002 bis 2005 achtete sie darauf, dass Grünen-Ministerin Renate Künast nicht zu sehr bei den Bauern kürzt.
Das Vertreten von bäuerlichen Interessen gehört zur Grundausbildung von CSU-Politikern, sofern sie nicht gerade aus München stammen. Aigner lebt am Tegernsee in einer Gegend, die genauso aussieht wie die kitschigsten Postkartenmotive aus dem Bayern-Urlaub: viel Wohlstand, viele Bauern, viel Tradition.
Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne verkörpert Aigner eine für die CSU attraktive Mischung. Da ist einerseits die Verwurzelung: Aigner trägt Dirndl, so oft der Anlass es möglich macht. Sie hat eine Ausbildung zur Elektrotechnikerin gemacht - im elterlichen Betrieb. Und neben der CSU ist sie noch Mitglied in 30 Vereinen: vom Auer-Alm-Verein über den Bund Deutscher Karneval bis zur Waldbesitzervereinigung.
Gleichzeitig gehört Aigner zu einer Generation junger Frauen, die der CSU zuletzt in Scharen davongelaufen ist. Sie ist ledig, kinderlos, wirkt jünger, als sie ist, und versprüht ständig gute Laune. Zudem ist sie nach 16 Jahren in der Jungen Union in der CSU blendend vernetzt. "Die kann zuhören, sucht den Ausgleich und ist sehr kollegial", lobt CDU-Bildungspolitiker Michael Kretschmer.
In der Bildungspolitik hat Aigner oft pragmatisch den Kompromiss gesucht - ohne zu viel Rücksicht auf die Mehrheitsmeinung in ihrer Partei zu nehmen. In der Debatte um die Stammzellforschung gehörte sie wie Annette Schavan und Angela Merkel zu den Befürworterinnen einer forschungsfreundlichen Lösung - anders als die Mehrheit der CSU.
Als Agrarministerin muss sie nun von der CSU enttäuschte Bauern zurückgewinnen. Dafür braucht die Partei jetzt Minister, die bayerische Interessen auch gegen die Schwesterpartei vertreten. Möglichst ohne Kompromisse. Eine neue Aufgabe für Aigner.
In der Bildungspolitik hat Aigner oft pragmatisch den Kompromiss gesucht - ohne zu viel Rücksicht auf althergebrachte Positionen ihrer Partei zu nehmen. In der Debatte um die Stammzellforschung gehörte sie wie die CDU-Politikerinnen Annette Schavan und Angela Merkel zu den Befürworterinnen einer forschungsfreundlichen Lösung - anders als die Mehrheit der CSU.
Genauso bei der grünen Gentechnik, die sie als Forschungspolitikerin gefördert hat. Als Agrarministerin wird sie sich umstellen müssen. Die CSU setzt jetzt auf Minister, die bayerische Interessen zur Not auch gegen die Schwesterpartei vertreten. Möglichst ohne Kompromisse.