Ken Folletts neuestes Buch "Sturz der Titanen"
FTD Na ja - wenn man Sie so reden hört ... Außerdem erschaffen Sie etwas, das die Leute haben wollen und wofür sie bereit sind, Geld auszugeben.
Follett Nein, das ist das falsche Wort. Ich bin Schriftsteller. Ein erfolgreicher Schriftsteller zwar, aber darum bin ich noch lange kein Unternehmer.
FTD Immerhin gehen Sie ziemlich planvoll an die Dinge heran. Sie haben sogar mal in einem Verlag gearbeitet, um zu lernen, wie Bestseller entstehen.
Follett Nun, vorher war ich bei einer Zeitung, und darin habe ich nicht meine Zukunft gesehen. Als ich bei dem Verlag anfing, wusste ich nicht, ob ich tatsächlich Autor oder eher Lektor werden wollte. Dort habe ich gelernt, dass ein gutes Buch sich sein Publikum selbst erschafft. Natürlich ist es gut, Anzeigen zu schalten und PR zu machen. Aber nichts davon hilft, wenn das Buch selber nichts taugt. Ein Buch ist dann erfolgreich, wenn Leute zu ihren Freunden sagen: Du musst das hier lesen, es ist großartig. Das macht 99 Prozent des Erfolgs aus.
FTD Wer ist der Leser, an den Sie beim Schreiben denken? Haben Sie da jemand bestimmten im Kopf?
Follett Nein. Manche Autoren denken an die Sekretärin, die mit der Bahn zur Arbeit fährt. So eine Leserfigur habe ich nicht. Ich möchte Geschichten schreiben, die alte und junge Leute gleichermaßen mögen, Männer und Frauen, Briten, Amerikaner, Italiener, Brasilianer.
FTD Ist das nicht sehr schwierig?
Follett Eigentlich nicht. Das, was die Leute von Literatur erwarten, ist überall gleich. Sie wollen an den Emotionen der Figuren teilhaben, sie wollen mitfühlen, die Geschichte mitdenken. Beim Schreiben denke ich die ganze Zeit an meinen Leser: was er mag, was er glauben wird, was er aufregend oder sexy findet, was ihn erschreckt.
FTD In ihrem neuen Buch - "Sturz der Titanen" - geht es um den Ersten Weltkrieg aus der Perspektive von Briten, Deutschen und Russen. Die Gefühle, die diese Zeit betreffen, sind doch aber in jedem Land unterschiedlich.
Follett Ich glaube, dass die Nationalität keine Rolle spielt. Die Leute fühlen sich in die Schicksale der Charaktere ein. Wenn eine Figur, die sie mögen, in Gefahr ist, verspüren sie Angst. Und wenn sie verliebt ist oder Erfolg hat oder traurig ist, dann fühlen sie auch das.