Das Mitsingen der Nationalhymne hat noch nie Identität gestiftet, schon wegen des garantiert schiefen hohen Es bei "Blüh' im Glanze". Und die anderen Symbole, um die man uns auf der ganzen Welt beneidet - Leitzordner, Sauerkraut und Autobahnen - haben vielleicht emotionale Tiefe, aber leider überhaupt keinen Sex-Appeal.
Für die nächste Saison muss ein anderes, trendiges Symbol her. Allerdings sind wir bekanntermaßen bei schicken Dingen nicht so gut wie im Maschinenbau. Deshalb sollte die Devise lauten: Abschauen von Litauen.
Litauen nämlich bringt jetzt ein Nationalparfüm auf den Markt. Der identitätsstiftende Duft enthält Sandelholz, Zedern und Moschus mit einer leichten Note von wilden Blumen und Holzfeuer. Das soll eine Assoziation mit heidnischen Ritualen heraufbeschwören. Klingt aufregender als alles, was man bisher mit Litauen assoziiert hat.
Und noch ein Image-Pluspunkt: Die immer noch verbreitete Verwechslung mit Lettland dürfte bald der Vergangenheit angehören, weil niemand die Letten riechen kann.
In Vilnius ist die olfaktorische Offensive nach Produktion der ersten 1000 Flakons in vollem Gang. Der Außenminister hat den Staatsduft an die ausländischen Botschafter in der Hauptstadt verteilen lassen, außerdem wurde die Truppe in Afghanistan bereits mit dem Parfüm versorgt.
Diese Art von Symbol, ja nationaler Einheit brauchen auch wir. Ein Duft, mit dem sowohl Guido Westerwelle als auch Karl-Theodor zu Guttenberg einverstanden sind - das schon ein Grund, stolz auf die Elite unseres Landes zu sein. Da kann das Zeug auch nach Bier oder Weißwurst riechen.