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Merken   Drucken   25.01.2012, 19:06 Schriftgröße: AAA

Für Kinofans: Die Neustarts der Woche

In den Kinos laufen in dieser Woche unter anderem die Filme "The Artist ", "Drive", "Michael" und "The Descendents".
© Bild: 2012 FTD.de/dpa/Bildfunk/Universum Film
In den Kinos laufen in dieser Woche unter anderem die Filme "The Artist ", "Drive", "Michael" und "The Descendents".
 
Michel Hazanavicius entführt den Zuschauer in das Hollywood der 20er-Jahre. Die Illusion ist perfekt: In eleganten, hinreißenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen, ohne Dialoge, nur mit Zwischentiteln lässt der Regisseur den Glamour der Stummfilmzeit wiederauferstehen. Das Genre wird zum Thema. Noch ist der unwiderstehliche Charmeur George Valentin (Jean Dujardin) ein umjubelte Kinostar. Er verhilft dem pfiffigen, quirligen Starlet Peppy Miller (Bérénice Bejo) zum ersten Erfolg. Doch ihre Wege trennen sich, der Siegeszug des Tonfilms ist das Ende von Georges Karriere und der Beginn von Peppys. Das Backstage-Melodram erinnert an "A Star Is Born" oder auch "Singin' in the Rain", der Protagonist an Douglas Fairbanks, die Musik manchmal an "Vertigo". Trotzdem bleibt "The Artist" ein unvergleichlicher Film über einen gefallenen Helden und seinen Schutzengel - voller Zauber, Tragik, Lachen, Action, origineller Einfälle und traumhafter Tanzszenen. George ist zu stolz, Hilfe anzunehmen: schon gar nicht von der Frau, die er liebt. Armut, Einsamkeit und Alkohol, das war das Schicksal vieler Schauspieler jener Zeit, nur für sie gab es meist kein Happy End.
Von Anna Grillet
The Artist
Frankreich 2011
Länge: 100 Min.
Regie: Michel Hazanavicius
Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, James Cromwell, John Goodman
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten
Eine Szene aus dem Film "Drive"   Eine Szene aus dem Film "Drive"
Ryan Gosling ist der Shootingstar der vergangenen Monate. Nun kommt der US-Amerikaner mit dem melancholischen und doch brutalen Actionfilm "Drive" in die Kinos. Darin spielt er einen Stuntman, der nachts bei Einbrüchen als Fluchtfahrer durch die Straßen rast. Faszinierend sind die maskenhafte Mimik von Gosling, die Aura der Verlorenheit, tiefe Melancholie und Präzision, mit der er sein Auto lenkt. Eines Tages trifft er Irene, die in dem anonymen Appartementhaus mit ihrem kleinen Sohn neben ihm lebt. Jedes Bild ist bis aufs kleinste durchkomponiert, symbolisiert urbane Einsamkeit, die an Edward Hoppers Gemälde und den 80er-Jahre-Style erinnern. Doch trotz der Schnelligkeit der Verfolgungsjagden, der Brutalität der Kampfszenen lässt sich die Regie Zeit, komponiert eine Art Genremärchen. Auf die Geschichte nach einem Groschenroman von James Sallis kommt es dabei nicht an, sondern einzig auf den großartig reduziert spielenden Gosling.
Von Britta Schmeis, dpa
Drive
USA 2011
Länge: 101 Min.
Regie: Nicolas Winding Refn
Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
Regisseur Markus Schleinzer beobachtet in seinem Phädophilendrama das unfreiwillige Zusammenleben des zehnjährigen Wolfgang mit dem 35-jährigen Michael. Er zeigt, wie sie gemeinsam essen, Geschirr waschen und putzen. Hinter die schwere Eisentür zu dem Unsagbaren nimmt der Österreicher den Zuschauer jedoch nicht mit. Das Drama kommt ohne reißerische Misshandlungsszenen aus - lebt allein von der Spannung des Suggestiven. Darin liegt auch die Stärke des Films, der beim Festival in Cannes als Favorit für die Goldene Palme gehandelt wurde und jetzt den Max Ophüls Preis in Saarbrücken gewann. Obwohl Schleinzer sein Kinofilmdebüt ablieferte, ist er kein Anfänger. Er arbeitete als Schauspieler und war als Casting-Direktor für mehr als 60 Film- und TV-Produktionen verantwortlich - auch bei Michael Haneke ("Das weiße Band"). So trägt der Film auch eindeutig die filmtechnische Handschrift Hanekes: kalt-distanziert, streng und still.
Von Sabine Glaubitz, dpa
Michael
Österreich 2011,
Länge: 96 Min.
Regie: Markus Schleinzer
Darsteller: Ursula Strauss, Michael Fuith
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten
Es gibt Filme, die trotz ihrer Sentimentalität unsentimental wirken: Alexander Paynes Groteske "The Descendents" ist so ein Fall. George Clooney spielt einen auf Hawaii lebenden Rechtsanwalt, der den langsamen Tod seiner im Koma liegenden Frau miterleben muss. Dabei erfährt er, dass sie eine Affäre hatte und sich gerade von ihm trennen wollte. Diesen Schicksalsschlag bewältigt er mit großer Traurigkeit - aber auch juristischer Abgebrühtheit und humorvoller Gelassenheit. All das gelingt ihm trotz zweier pubertierender Töchter und etlicher gewöhnungsbedürftiger Hawaiihemden, die ihn durch den gesamten Film begleiten. Das Resultat ist eine linear erzählte, tragikomische Geschichte, die dem Publikum mit einfachsten cineastischen Mitteln einen einzigen Satz in den Kopf hämmert: Egal wie verzweifelt deine Situation ist - es gibt immer einen Ausweg. Für die Oscars wurde "The Descendents" fünfmal nominiert - zu Recht: ein kleiner, unprätentiöser Film mit ganz großer Moral.
Von Willy Theobald
The Descendents
USA 2011
Länge: 115 Min.
Regie: Alexander Payne
Darsteller: George Clooney, Shailene Woodley
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten
  • Aus der FTD vom 26.01.2012
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