Gleich drei große deutsche Ausstellungen feiern das Pop-Art-Genie Andy Warhol. Und in China ist er sogar beliebter als Picasso. Wie lässt sich das erklären? von Anja Lösel
Wer kennt diesen Satz nicht: "In Zukunft wird jeder 15 Minuten lang weltberühmt sein." Schon 1968 hatte Andy Warhol prophezeit, dass Starruhm immer normaler, aber auch immer flüchtiger und schnelllebiger würde. Als hätte er all die Dschungelcamp-Promis und Youtube-Sternchen schon vor sich gesehen.
Er selbst ist alles andere als eine Eintagsfliege. Warhols Glanz scheint unvergänglich, der Hunger nach seinen Bildern unersättlich. Museumsdirektoren schmücken sich gern mit Warhol-Ausstellungen, weil sie sicher sein können, dass sie damit Besucher anlocken. Auf Auktionen bringen Warhol-Bilder seit Jahren Höchstpreise. Wer einen echten Warhol kauft, kann eigentlich nichts falsch machen.
Gleich drei große Ausstellungen in Deutschland drehen sich derzeit um Andy Warhol (1928-1987). In Bonn geht es um die Zusammenarbeit mit seinen Künstlerkollegen Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente. In Tübingen wird Warhol mit Sigmar Polke und Joseph Beuys verglichen.
Am interessantesten ist aber die Schau im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. "Headlines" heißt sie. Zum ersten Mal sind dort alle 80 Warhol-Arbeiten zu sehen, in denen er sich mit Massenmedien und Promi-Kult auseinandersetzt. Ganz genau kann man da verfolgen, wie fasziniert Warhol von den Schlagzeilen der großen Boulevardzeitungen war. Wie er ihre Schriften kopierte, Bilder sammelte und weiter verwendete.
Am liebsten waren ihm fiese Revolverblätter und Klatschpostillen. Er schnitt Fotos von Unfällen, Morden und Hinrichtungen aus, aber auch Cola-Werbung, Kleinanzeigen für Haarfärbemittel, einen querschnittsgelähmten Dackel mit Rädern an den Hinterbeinen und Stars wie Brigitte Bardot und Jackie Kennedy.
Nicht nur Fotos sammelte er, sondern auch Schlagzeilen: "President Shot Dead" zu Kennedys Ermordung , "Madonna not Ashamed" zu Nacktfotos der Sängerin. Und das berühmte "130 Die in Jet!" aus dem dann seltsamerweise das Gemälde "129 Die in Jet!" wurde.
Kugel im Bauch
Warhol trieb die Frage um: Wie verändern Massenmedien, Fotografie und Werbung die Kunst? Er erhob Suppendosen und Colaflaschen zu Motiven der Malerei. Wohl als Erster malte er einen elektrischen Stuhl und Autounfälle, die "Car Crashs". Er war eine Art von Parasit, der alles aufsaugte, umwandelte und für seine Kunst benutzte. "Er packt dich, und du kannst ihm nicht entkommen", hatte Viva mal gesagt, einer der Stars aus Andy Warhols Filmen.
Als eine Attentäterin ihm eine Kugel in den Bauch schoss, wurde Warhol selbst zum Thema der Schlagzeilen: "Actress shoots Andy Warhol" schrieb die "New York Daily News" in Riesenlettern - Schauspielerin schießt auf Andy Warhol.
Oh, là, là, Monsieur Hollande! Wet-T-Shirt-Look in Hemd und Anzug. Feuchtglänzender Zwirn, eng an den Körper geschmiegt, optisch ganz nah dran an Lack und Leder. Und das in den ersten Tagen im Amt als neuer französischer Präsident. Das hätte dem Mann niemand zugetraut.
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