Wäis Kiani könnte sich mal als Stil-Ikone langweilen
Also musste ich irgendwohin, wo noch weniger Zerstreuung stattfand, wo ich nicht einmal am Pool liegen und mich mit meiner schönen Siamkatzenfreundin Indigo unterhalten konnte. Sonst würde das nie etwas werden mit der großen Schriftstellerkarriere, und ich müsste mich mein restliches Leben als Kolumnistin und Stil-Ikone langweilen.
Jetzt bin ich seit Weihnachten im Haus meiner Eltern in Bielefeld. Ich habe zwei Schlafzimmer und die gesamte obere Etage belegt, um genug Platz für meine stündlich wachsenden Haufen von internationalen Magazinen, Schuhen, Pelzjacken, Kommunikationstechnik und "Boardwalk Empire"-DVDs zu haben. Dazwischen sitze ich jeden Tag und tippe Seiten, mäkele am Essen, parke die Autos, wo ich will, gebe meine Wäsche einfach ab, muss also nichts tun außer atmen und schreiben.
"Echt? Bei deinen Eltern?"
Aber der Mensch lebt nicht von Luft und Wörtern allein, also ließ ich meine alten Schulfreunde wissen, ich sei in der Stadt, und zwar für länger. "Echt? Bei deinen Eltern?" war die jeweils erstaunte Antwort. Die erste Freundin, die ich besuchte, heißt Sandra. Sandra war früher die einzige, behütete Tochter ihrer Eltern, die beide mit ihrem mittelständischen Betrieb beschäftigt waren. Sandra war immer allein in dem großen Haus und bekam zum 18. Geburtstag einen neuen Golf GTI, mit dem sie fahren durfte, wohin sie wollte.