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Merken   Drucken   12.09.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

In bester Gesellschaft: Walter bremst nie

Was kann es Schöneres geben, als mit gut 120 Stundenkilometern gegen einen Baum zu krachen? Als Beifahrerin der Rallye-Legende Walter Röhrl antwortet unsere Kolumnistin: Nichts. Denn sie hat Benzin im Blut - nur die Bratwurst im Bauch stört bei der Raserei. von Wäis Kiani 
Bevor ich anfange, möchte ich an einen Satz erinnern, den es im Frühjahr an dieser Stelle von mir zu lesen gab. Ich verabschiedete mich von der trostlosen Modewelt und kündigte an, mich lieber wieder meiner zweiten großen Leidenschaft zu widmen: allem, was vier Räder hat und fährt.
Die Druckerschwärze ist kaum getrocknet, da erreicht mich die Einladung eines Herrn Stefan Burkart zu einer Autorallye. Historische Eifel-Rallye steht auf der Einladung, und unten prangt das Firmenlogo von Lancia Delta Parts. Seit mir ein Freund vor Jahren seinen Integrale lieh, damit ich nachts betrunken bei Schneefall nach Hause fahren konnte, weiß ich, was diese Lancias können. Ich übersah im Schneetreiben nur eine rote Ampel, woraufhin mir ein hässlicher alter Panda in die Seite knallte. Er hatte ­Totalschaden, der Integrale nur einen winzigen Kratzer.
Wäis Kiani zwängt sich auch mal gerne in unmodische Rennanzüge   Wäis Kiani zwängt sich auch mal gerne in unmodische Rennanzüge
Nein, diese Rallye ist mir zu krass. Mit lauter fremden Kerlen würde ich mich noch schlimmer langweilen als sonst. Ich sage höflich ab.
"Ich bin doch jetzt Rennfahrerin"
Der nette Stefan lacht und schickt mir Bilder von einem roten Lancia, der auf Kühlerhaube und Türen mit den Lettern WK beschmiert ist, darunter: Amann Nähgarne. Damit habe ich nicht gerechnet. Es sieht wundervoll aus und sehr, sehr schnell. Ich sage ­sofort zu und schicke meine Maße (92-65-92) hinterher, für den maß­geschneiderten Trainingsoverall.
In der Nacht vor der Rallye plagen mich Albträume. Der Trainingsanzug kneift mich hinten in den Po und geht vorn nicht zu. Die Damen in meinem Blog-Salon sind der Meinung, ich ­müsse vor und nach dem Rennen High Heels und Minirock tragen wie die Girls im Pirelli-Kalender, aber ich glaube ihnen zum Glück nicht. In Koblenz warten am Bahnhof zwei Rallyebrüder von Stefan auf mich. Frank und Nikolai. "Wie groß ist Ihr Koffer?", hat mich Niko zuvor am Telefon gefragt. "Sehr klein, wieso?" "Na, weil Sie doch aus der Modebranche sind, Hutschachteln und so." Ich muss grinsen. "Nee, keine Sorge, das ist vorbei, ich bin doch jetzt Rennfahrerin."
Die Burkart-Brüder erzählen, dass sie für ihre Firma Delta Parts ein ganzes Lancia-Ersatzteillager in Italien aufgekauft haben, um daraus Autos zusammenzubauen. Beispielsweise den roten Lancia, mit dem ich trainieren soll. "Und wenn Teile fehlen?", frage ich streng. "Die bestellen wir dann nach." Toll, denke ich, ich soll also ­einen Haufen Ersatzteile lenken. "Und deswegen darfst du mit dem roten auch nur trainieren und nicht starten. Die Rallye ist historisch, der rote nicht."
Wie buntes Spielzeug stehen die ­Rallyewagen auf dem Marktplatz von Daun, einem winzigen Kaff in der ­Eifel. Drum herum Zelte, Laster, Würstchenbuden. Der Wohnwagen von Delta Parts ist elegant mit Holz vertäfelt und unsere Umkleidekabine. Mein Trainingsanzug ist viel zu groß, dem Himmel sei Dank.
Oben auf der Teststrecke testet Walter Röhrl im Nieselregen seinen Audi quattro und den Opel Ascona 400, mit dem er 1982 Rallye-Weltmeister geworden ist. Ich darf als Kopilotin mitfahren. Ich quetsche mich in den superengen Schalensitz, und drei Männer nesteln an den roten Hosenträger­gurten herum, die sie so festziehen, dass mir die Luft wegbleibt. Ob ich aufgeregt sei, fragen sie mit leuchtenden Augen. Wieso, ich fahr doch nur mal mit Walter um den Block, sage ich.

Walter bremst nie, schon gar nicht vor Kurven

  • FTD.de, 12.09.2011
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