Er gründete einst die Messe Popkomm und den TV-Sender Viva. Nun will der Wahl-Essener das Ruhrgebiet beleben, als Kreativdirektor von Europas Kulturhauptstadt 2010. Ob seine Arbeit auch noch 2011 Früchte trägt? von Lutz Knappmann
Wir bauen hier eine Metropole, und 2010 ist Richtfest", sagt Dieter Gorny über seine Pläne für das Ruhrgebiet, Europas Kulturhauptstadt 2010. Darunter hat es Gorny noch nie gemacht: eine Metropole bauen - Kultur als Hebel für Standort- und Wirtschaftspolitik. Das große Ganze. So hat er es in Köln gehalten, später in Berlin. Nun kämpft Gorny, der in Essen lebt, fürs Ruhrgebiet.
Dieter Gorny, Kreativdirektor von Europas Kulturhauptstadt 2010
Das Richtfest im Revier hat begonnen. Ein großer Festakt auf Zollverein, dem industriellen Weltkulturerbe Essens, hat den Auftakt gegeben für 2500 Veranstaltungen und 300 Projekte des Kulturhauptstadtjahrs. Mit Kunstaktionen, Konzerten und Ausstellungen, eingebettet in die Überbleibsel ihrer Inustriegeschichte, will die einstige Kohle- und Stahlregion zeigen, dass sie zu neuem Leben erwacht ist.
Gorny ist mittendrin. Der 56-Jährige ist einer von vier künstlerischen Direktoren, zuständig für die Kreativwirtschaft in der mit fünf Millionen Einwohnern größten Metropolregion Deutschlands - und einer ihrer profiliertesten Streiter. Sogenannte Kreativquartiere will Gorny zur Basis für ein neues Wirtschafts-Standbein machen. In alten Industriehallen sollen sich Künstler und Medienschaffende ansiedeln und das Gesicht des Reviers verändern.
Ähnlich wie Gorny es in Köln und Berlin gemacht hat. 1989 gründet der examinierte Musiklehrer in Köln die Musikmesse Popkomm. Gorny etabliert die Messe als eines der weltweit wichtigsten Events der Musikbranche. Vier Jahre später gründet er dort den Musiksender Viva, der binnen zwei Jahren zum Marktführer im deutschen Geschäft mit Videoclips avanciert - und phasenweise zum profitabelsten TV-Sender des Landes. Köln wird endgültig zum bedeutenden Musikstandort.
2003 zieht die Popkomm nach Berlin um, soll der Hauptstadt mehr Gewicht für die Popkultur verleihen. Viva, zwischenzeitlich vom Rivalen MTV übernommen, folgt 2005 an die Spree. Gorny wird kurzzeitig MTV-Europachef. Doch diese Rolle liegt ihm nicht, er sucht die Nähe der Politik. Ende 2006 wird er Aufsichtsratschef der Filmstiftung NRW, kurz darauf Chef des Bundesverbands Musikindustrie. Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen holt ihn schließlich in sein Organisationsteam für die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet. Das große Fest 2010 soll nur der Anfang für etwas ganz Großes sein: "Wir müssen mit den Kreativquartieren eine Entwicklung anstoßen, die auch nach dem Kulturhauptstadtjahr anhält", sagt Gorny. Doch die Voraussetzungen sind schlecht: Rund 30 der 53 Kulturhauptstadt-Kommunen sind praktisch pleite, stehen vor radikalen Sparprogrammen. "Es droht der kulturpolitische Offenbarungseid", warnen Beobachter.
Konkret: Gornys Kreativquartieren droht ein ähnliches Schicksal wie seinen früheren Projekten - der Sender Viva hat als Teil des Viacom-Konzerns viel an Bedeutung im Musikgeschäft verloren. Und die Messe Popkomm ist 2009 ausgefallen - mangels Teilnehmern und Besuchern.
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