Das Gemälde gehört zu den berühmtesten Werken Raffaels: Das Bildnis des Papstes Julius II., lebensgroß und in Gedanken versunken in einem Lehnstuhl sitzend. Zwei Fassungen des Gemäldes, eine in der Londoner National Gallery und eine in den Uffizien in Florenz entzweiten bislang die Kunstwelt mit der Frage nach dem Original. Lange galt die Florentiner Version als die echte, als jedoch vor mehr als 40 Jahren Restauratoren einen übermalten Wappenvorhang in der Londoner Fassung nachweisen konnten, galt dieser Fund als Sensation und aufgrund der veränderten Bildkonzeption als Beweis für das wahre Werk Raffaels.
Nun wartet das Frankfurter Städel-Museum mit einer weiteren, bisher von der Wissenschaft unbeachteten Version des Julius-Porträts auf und präsentiert das Werk als Höhepunkt der bevorstehenden Neueröffnung seiner Altmeister-Sammlung: Ein Gemälde, das 2007 in Wien von der Sammlung Ellermann ersteigert wurde und bislang als Werk eines Raffael-Nachahmers galt. "Wir haben das bis vor vier Jahren als Kopie geltende Bild vor einem Jahr erworben, weil wir sicher waren, dass es ein Original ist", sagte Museumsdirektor Max Hollein am Dienstag.
Als Raffael zwischen Juni 1511 und März 1512 Papst Julius II. porträtierte, verfolgte das jähzornige Kirchenoberhaupt mit der Darstellung Propagandaziele: Julius II. wollte als gebildet und intellektuell gelten, schließlich bediente er sich in seinem Machtstreben neben fortgesetzten Kriegszügen auch eines großzügigen Mäzenatentums, um das Ansehen des Papsttums zu vergrößern und, vor allem, um sich seines ewigen Nachruhms sicher zu sein.