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Merken   Drucken   13.02.2012, 18:49 Schriftgröße: AAA

Neu auf den Bühnen: Premieren der Woche

Zu den interessanten Vorstellungen gehören die Schauspiele "Kein Science-Fiction" und "The Happy Ending of Kafka's Castle" sowie die Oper "Das Rheingold" und das Ballett "Fräuleins von S.".
Kassandra, Agamemnon, Kafka und der Serbe Mihaljo - solch eine Personalkonstellation verheißt einen anstrengenden Theaterabend. Zum Glück darf das Publikum in Düsseldorf auch mal auf die Bühne, was das Zwei-Stunden-Stück ein wenig auflockert. Autorin Tina Rahel Völcker hat König Agamemnon und die Seherin Kassandra in das krisengeschüttelte Kapitalismus-Europa verpflanzt. Agamemnon leitet als Finanzmogul die "Burg", Sitz der Firma Atreus. Kassandra ist eine Fremde, die es als Beraterin in den Vorstand geschafft hat. Die Firma, gemeint ist Europa, wird unterwandert von einem Nazi-Kampfbund, der Kassandra und die vielen ausländischen Angestellten ausschaltet. Viel wird geredet über Afrika, Europa, Geld, Markt, Rosa Luxemburg und die Frage, warum sich die Angestellten vom Dach der Burg stürzen. Der Kampfbund zischt fremdenfeindliche Hassmonologe. Schließlich stürzt Europa in einen Kapitalismuskrieg, den Agamemnon mit Schwert und Kettenhemd führt. Ein kopflastiges Stück, das vor allem dank der engagierten Schauspieler sehenswert wird; sie proben mit Hingabe den Spagat zwischen antikem Orakel und brutalem Markt.
Von Dorothea Hülsmeier, dpa
Kein Science-Fiction
Ort: Schauspielhaus Düsseldorf
Regie: Nora Schlocker
Darsteller: Xenia Noetzelmann, Ingo Tomi, Aleksandar Radenkovic, Elena Schmidt
FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten
Eine vorsichtige, aber sehr stimmige Inszenierung ist es geworden, die Andreas Kriegenburg vorgelegt hat. Gier und Macht herrschen in diesem Stück vor. Alberich stiehlt den Rheintöchtern das Gold, knechtet seine Arbeiter und strebt nach der Weltmacht. Fast uneingeschränkt gefeiert wurden die Sänger - allen voran Stefan Margita als Loge und Johannes Martin Kränzle. Den meisten Jubel erntete - wie immer in München - der Mann am Pult: Generalmusikdirektor Kent Nagano zeigte sich auch bei Wagner gewohnt um- und vorsichtig. Die zweieinhalb "Rheingold"-Stunden gehen schnell rum und zeigen, dass Kriegenburgs Neuinterpretation funktioniert. Die Bühne ist meist völlig leer und der Rhein wird in der beeindruckenden Anfangsszene von unzähligen wogenden Statisten dargestellt. Kriegenburg verzichtete auf eine prahlerische Inszenierung und wurde dafür am Samstagabend mit teils tosendem Applaus belohnt, in den sich nur vereinzelt einige Buhs mischten.
Von Britta Schultejans, dpa
Das Rheingold
Ort: Opernhaus München
Regie: Andreas Kriegenburg
Dirigent: Kent Nagano
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
Marcia Haydée tanzt nicht mehr. Aber alles tanzt um sie herum. Für die Titelrolle des "Fräuleins von S." ist die 74 Jahre alte Brasilianerin nach Stuttgart zurückgekehrt, wo sie Primaballerina und Ballettdirektorin war. Kurz vor ihrem Abschied holte sie damals den jungen Tänzer Christian Spuck nach Stuttgart. Nun geht dieser nach Zürich, wo er Ballettdirektor wird. Spuck setzt in seiner letzten Inszenierung erneut auf eine Erzählung des romantischen Dichters E.T.A. Hoffmann. "Das Fräulein von Scuderi" gilt als eine der frühesten deutschen Kriminalgeschichten und handelt von der Heldin Scuderi, die den Mord am Goldschmied Cardillac aufklärt. Dieser tötete seine Kunden, um wieder in den Besitz der von ihm gefertigten Schmuckstücke zu gelangen. In diesem Ballett gibt es verstörende Tänze mit Juwelen, Verschmelzung abstrakter Tanzkunst und berührend, zerbrechlicher Choreografien. Das Stuttgarter Publikum war begeistert - und muss nun von Spuck Abschied nehmen.
Von Bernward Loheide, dpa
Fräuleins von S.
Ort: Opernhaus Stuttgart
Choreografie: Christian Spuck
Mitwirkende: Marcia Haydée, Mireille Mossé
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
Das Wetter passt zur düsteren Stimmung des Stücks. Der Anfang von Franz Kafkas Roman "Das Schloss" beginnt in einem dunklen verschneiten Dorf. Auch beim Stück "The Happy Ending of Kafka's Castle" steht das Publikum erst einmal vor dem Theater in der Kälte. In Kafkas Roman versucht der Landvermesser K. sich dem Schloss zu nähern und Anerkennung zu finden - doch ohne Erfolg. So erwartet den Zuschauer eine Performance durch unterschiedliche Räume. Ein Skelett auf einem roten Plüschstuhl, Gerätschaften vom Rollstuhl bis zum Telefon, sowie ein Herr K. als hilflos hopsende Marionette. Irgendwann springt ein Darsteller auf einen Knochenhaufen und sagt: "Meine Damen und Herren, das war unser Theaterstück." Nach zwei Stunden sitzen immer noch einige Zuschauer entspannt auf ihren Kissen. Es kommt jedenfalls zur rechten Zeit, denn viel länger hätte die Event-Inszenierung wohl nicht getragen - insofern wirklich ein Happy End.
Von Sabina Dobel, dpa
The Happy Ending of Kafka's...
Ort: Marstall Residenztheater München
Regie: Showcase Beat Le Mot
Darsteller: Gunther Eckes, Arthur Klemt
FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten
  • FTD.de, 13.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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