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Merken   Drucken   07.11.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

Technopolis: Mit nackten Wangen für das System

Ein Mann mit Bart hat immer etwas zu verbergen. Daher weist unser Autor darauf hin, dass sein Haarwuchs im Gesicht spärlich ist - und erteilt ganz offenherzig eine Kaufberatung für Digitalkameras. Allen anderen Männern empfiehlt er einen Rasierer. von Sönke Jahn
Systemkamera Samsung NX200   Systemkamera Samsung NX200
Herr der Ringe
Eine Digitalkamera ist eine Digitalkamera? Nichts da. Wer ambitioniertere Bilder - größer, schöner, weiter - als mit seinem Smartphone knipsen will, muss vor dem Kauf erst einmal seine Hausaufgaben in Fachchinesisch machen. Wünscht sich der Fotoprofi in spe eine digitale Bridge-, eine Spiegelreflex- oder eine spiegellose System­kamera wie Samsungs neuestes Modell NX200? Hier meine kostenlose Kaufberatung: Die Bridge­kamera ist eine kompakte, volldigitale Kamera samt fest eingebautem Objektiv mit Superduper-Zoom-Eigenschaften ähnlich denen mancher Wechselobjektive, die man auf Spiegelreflexkameras schraubt.
Die digitale Spiegelreflexkamera wiederum hat den Vorteil, dass man häufig die alten Objektive aus vordigitaler Zeit weiterverwenden kann. Bei der Systemkamera geht das nicht, man muss die Wechselobjektive neu anschaffen. So auch bei Samsungs opulent ausgestatteter Systemkamera NX200 (20 Megapixel, HD-Video mit Stereo, Highspeed-Autofocus, Serienbildfunktion, RAW-Bilder und vieles mehr).
Doch der Hersteller macht den Umstand wieder wett, weil die Elektronik seiner NX-Systemobjektive dem Fotografen neben der zwangsläufigen Kundenbindung auch Freude beschert: Statt sich nur durch das Menü auf dem (gut ablesbaren) AMOLED-Kameradisplay zu hangeln, kann er die "iFunction" auf dem Systemobjektiv aktivieren und gewisse Einstellungen wie ISO-Empfindlichkeit oder Verschlusszeit direkt am Objektivring vornehmen. 849 Euro inkl. Standardzoom-Objektiv, www.samsung.de
Blaupunkts Bluetooth-Freisprecher BT Drive Free 311   Blaupunkts Bluetooth-Freisprecher BT Drive Free 311
Gäbe es ein Rädchen an Blaupunkts Bluetooth-Freisprecher BT Drive Free 311, mit dem man ihn anstellt und laut und leise dreht, dann wäre mit diesem Gerät die Illusion meines allerersten japanischen Transistorradios fast perfekt. Denn sein Mono-Sound klang wie tief in der Hosentasche abgespielt, genau wie nun die Stimme der eingebauten Ansagerin mit dem sexy klingenden französischen "So schön geprickelt in mein Bauchnabel"-Akzent. Nach dem Einschalten sagt sie "Strom ein" und nach dem automatischen Bluetooth-Pairing mit meinem iPhone 4 "Telefon ist zum Gebrauch bereit".
Und wäre iPhones integrierte Sprachsteuerung nicht blöd wie eine Bürste und verstünde meine Befehle nicht zehn von zehn Mal miss, um tod­sicher die falsche Nummer zu wählen, dann, ja dann könnte ich mit dieser Freisprechbox - zum Beispiel im Auto an die Sonnenblende geklemmt - prima telefonieren. 89 Euro, www.blaupunkt.de
AppRadio von Pioneer   AppRadio von Pioneer
Nicht mehr und nicht weniger als den Vorboten einer neuen Gerätegattung verspricht uns Pioneer mit diesem AppRadio. Der Rundfunkempfänger fürs Auto hat einen 6,1 Zoll großen kapazitiven Touchscreen im 16:9-Format mit einer Auflösung von 800x480 Pixeln. Sobald der stolze Besitzer sein iPhone 4 oder einen geeigneten iPod Touch angeschlossen und den "Advanced App Modus" im Radio aktiviert hat, kann er per Fingerdruck, Spreiz- und Wischgesten bestimmte iPhone-Apps nutzen.
Für den Einbau braucht es einen 2-DIN-Schacht im Armaturenbrett; eine separate GPS-Antenne und sogar eine Rückfahrkamera lassen sich dort ebenfalls anschließen. Das UKW/MW-Radio hat einen Bluetooth-Freisprecher, spielt Musik ab und erfreut überzeugte iPhone-User vor allem deshalb, weil sie auf ihren Kalender, ihr Fotoalbum und die Google-Maps-App zugreifen können. Weitere Apps, die den Advanced App Modus unterstützen, sind angekündigt. 349 Euro, www.pioneer.de
Maus-Scanner von LG   Maus-Scanner von LG
Ist es wirklich fast 20 Jahre her, dass ich mir in der Hamburger Langen Reihe vorm Schaufenster eines Hardware-Hökers den darin ausgestellten Handscanner aus dem Kopf geschlagen habe? Wer so ein Ding nicht mit ruhiger Hand laaaangsam über ein Dokument ziehen konnte, versaute mit dem kleinsten Tatter das eh schon grob auf­gelöste Ergebnis.
Ganz anders funktioniert LGs nagelneuer Maus-Scanner LSM-100. Mit dem robusten Nager wischt man nach Drücken des Scan-Knopfes freihändig über eine bis zu DIN A3 große Vorlage, um sie live auf den Windows-PC durchzupausen. Nur eines darf man der Maus nicht antun: sie zwischendurch anheben. 129 Euro, www.lg.de
Panasonics Nass- und Trockenrasierer ES-LV81   Panasonics Nass- und Trockenrasierer ES-LV81
Männer mit Bart haben etwas zu verbergen, schrieb Walker Lamond vor Jahren in "Rules for my unborn son", seinem mitunter spitzfindigen Weblog um kernige Manieren und zeitlose Männlichkeit. Auch ich halte nicht viel von Soulpatch, Goatee oder Drei-Tage-Bart, schon allein deswegen, weil ich auf Letzteren mindestens sechs Tage lang warten müsste.
Doch egal wie karg oder üppig die Gesichtsbehaarung sprießt, Panasonics Nass- und Trockenrasierer ES-LV81 wird ihrer Herr - dank eines kolossalen fünffachen Scherkopfes, der wie eine Keule wirkt. Wer seine Morgentoilette vom Zähneputzen bis zum Fußnägelschneiden am liebsten unter der Dusche erledigt, wird den Apparat lieben, er ist nämlich wasserdicht. Ist das Gesicht mit angeblich 14 000 Schwingungen pro Minute spiegelglatt rasiert, kommt die Reinigungsstation zum Zug. Sie befreit die Schermesser laut und vernehmlich von allen Stoppelresten. 349 Euro, www.panasonic.de
  • Aus der FTD vom 07.11.2011
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