Einfach mal ordentlich knallen lassen
An diesen Alltag kann man sich leicht gewöhnenNach zwei Queen-Drinks habe ich schön einen im Tee und wanke zu meiner nächsten Verabredung. Eine Freundin stellt ihr Buch vor. Sie führt eine Schauspielagentur, entsprechend prominent sind die Gäste. Die Location ist schick, die Getränke sprudeln weiter, und nach Mitternacht sage ich gern zu, mich von einem ihrer Freunde - "Garbor, Unternehmer, hat hundert Häuser in Berlin" - in mein Hotel fahren zu lassen. Sein Auto ist ein Mercedes irgendwas, klein, stark, schwarz, cognacfarbenes Leder. Die Straßen sind leer. "Schade, dass man jetzt nicht ein bisschen Gas geben kann", sage ich. "Ich könnte dir das Grundstück zeigen, das ich am Wannsee gekauft habe", schlägt Garbor vor, "da können wir auch etwas schneller fahren."
Wir düsen durchs Dunkel, dann stolpern wir durch das Gestrüpp seines Anwesens ans Ufer zu einer kleinen Marina. Der Mond ist fast voll und leuchtet die Kulisse aus: Die Boote schwanken leicht auf dem stillen Wasser, müde klackert das Tauwerk an den Masten. Wir laufen über den Steg, und wieder bedaure ich das Ende der Champagnerschale. Lässig in meiner Hand gehalten, würde sie die Szene vervollkommnen, hier nachts am See der Betuchten. Der Steg ist breit, aber einen Moment lang fürchte ich: nicht breit genug. Ich male mir die Pein aus, wie ich mitten in der Nacht ins Wasser falle, einfach so, vor einem Millionär mit seinem schönen Grundstück.
Als wir zurück durch die Berliner Nacht fahren, fühle ich mich wie im Film. Hat Romy recht, verändert Champagner wirklich etwas? Beim Aussteigen lädt mich Garbor zum Dinner am Montag ein. "Kleiner Kreis, nur 50 Leute, habe einen tollen Koch gebucht. Wäre schön, wenn du auch kommst." "Klar", sage ich. Und denke: Romy, du bist die Beste!