Ab sofort ist der blaue Dunst aus türkischen Bars, Gaststätten und Restaurants verbannt. Rund ein Jahr nach Einführung eines Rauchverbots in öffentlichen Räumen in der Türkei gilt das Tabu seit Sonntag auch für die Gastronomie.
Die Regierung hatte ihr eine rund 14-monatige Gnadenfrist eingeräumt und setzte die Ausweitung des Verbots nun gegen den scharfen Protest der bereits von der Wirtschaftskrise geschüttelten Gastwirte um.
Rauchende Gäste müssen mit einer Geldstrafe von 69 Lira (32 Euro) rechnen. Wirten, die das Rauchverbot nicht durchsetzen, drohen Strafen von 560 bis 5600 Lira. 4.500 Anti-Raucher-Sheriffs sollen eingestellt werden, die mit Überraschungsbesuchen die Einhaltung des Verbots überwaschen sollen.
Jährlich 100.000 Tote
Rund 40 Prozent der Türken über 15 Jahren sind nach Zahlen der Organisation Yesily Raucher. Nach Regierungsangaben sterben jährlich 100.000 Menschen in der Türkei an den Folgen des Rauchens. Mit dem seit Mai 2008 geltenden Rauchverbot in öffentlichen Räumen sei die Zahl der Raucher um sieben Prozent zurückgegangen, sagte Gesundheitsminister Recep Akdag.
Den Widerstand der Gastwirte wies Akdag als unbegründet zurück: "Es gibt keinen Grund zur Sorge", erklärte er. "Die Öffentlichkeit unterstützt eine rauchfreie Umgebung, und die einzigen, die einen Einbruch spüren werden, sind die Zigarettenproduzenten und -verkäufer." Das Ziel rechtfertigt nach seiner Ansicht aber das Verbot: "Wir setzen uns für den Schutz unserer Zukunft, der Rettung unserer Jugend ein", betonte Akdag.
Die Wirte kündigten weitere Proteste an. "Wir sind gegen das Rauchverbot", kündeten Plakate in den Scheiben. "Ich denke, dass die Hälfte der Bars in der Sakarya-Straße dicht machen muss", sagte Barbesitzer Caglar Özcan. Auf der Straße gibt es hingegen auch Zustimmung zu dem Verbot. Bisher habe er die Cafés wegen des Rauchs immer gemieden, erklärte ein 30-jähriger Geschäftsmann. Künftig werde er sich zum Backgammon-Spielen endlich in die Kneipen wagen können.