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Merken   Drucken   15.06.2008, 11:00 Schriftgröße: AAA

Alte Meister: Zwölf-Meter-Yachten: Windsbräute

Sportlich, stilecht, selten: Zwölf-Meter-Yachten sind begehrte Klassiker. Sarah Syed und Christian Cohrs auf Raritätenjagd.
"Elegante alte Damen sind das", schwärmt Oliver Berking von den Gästen, die er erwartet. Damit schmeichelt der Geschäftsführer der Silberschmiede Robbe & Berking keineswegs den Ladys der feinen Gesellschaft, in der er üblicherweise verkehrt. Vielmehr lobt er Holzyachten der Zwölf-Meter-Klasse, allesamt zwischen 1912 und 1939 gebaut. Mit mehr als einem Dutzend rechnet er Anfang Juli zur Weltmeisterschaft in der Flensburger Förde. Klar dass es gesittet zugeht, wenn maritime Preziosen wie die 96-jährige "Heti", die 75-jährige "Vema III" und ihre um zwei Jahre jüngere Konkurrentin "Trivia" gegeneinander antreten. Ein Kaffeekränzchen wird es aber nicht. "Schließlich wetteiferten 12er-Yachten von 1958 bis 1987 um den America's Cup - die sind schon schnell!", so Berking.
Für Laien zunächst verwirrend: Zwölf-Meter-Yachten sind nicht zwölf Meter lang. Die Bezeichnung resultiert aus einer Meter-Klasse-Formel, die 1906 für Regattaschiffe ein bestimmtes Verhältnis von Rumpfmaßen und Segelfläche vorschrieb. Bei der 12er-Klasse ergibt die Formel: zwölf Meter. Die Bootslänge beträgt hingegen um die 20 Meter.
Die "Ostwind" wird restauriert   Die "Ostwind" wird restauriert
Unter den Konstrukteuren findet sich die Crème de la Crème der Bootsbauer: Pioniere wie der Hamburger Max Oertz, Johan Anker aus Norwegen, die Briten William Fife und Charles Nicholson sowie der New Yorker Olin Stephens, dessen 12er-Yachten fünfmal den America's Cup gewannen. Nicht minder illuster die Auftraggeber, zu denen Berühmtheiten wie der Eisenbahnerbe Harold Vanderbilt und der englische Flugpionier Thomas Sopwith zählten. Knapp 180 Yachten wurden gebaut, zwei Drittel davon vor dem Zweiten Weltkrieg. Lediglich rund vier Dutzend dieser klassischen 12er sind erhalten, der Rest versank im Meer, wurde zerstört oder gilt als verschollen.
Die verbliebenen "alten Damen" können sich vor Verehrern kaum retten. Wie die "Trivia", die 1937 in England vom Stapel lief und seit acht Jahren dem Softwareunternehmer Wilfried Beeck gehört. Beim Besuch einer Jubiläumsregatta im englischen Cowes bat eine Gruppe 80-jähriger Herren um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen. "Die waren als junge Crewmitglieder auf der ,Trivia‘ gesegelt", berichtet Beeck, "und bestätigten, das Boot sei noch genauso wie damals."
Bei Regatten steht Beeck selbst am Steuer. "Alte Holzyachten werden meist wegen ihrer Nostalgie bewundert", sagt der Hamburger, "doch in der 12er-Klasse sind Boot und Besitzer sportlich geblieben." Darum treten die Eigner regelmäßig in Europa oder den USA gegeneinander an und setzen alles daran, ihre Schiffe durch Gewichtsreduktion, optimierte Takelung und einen glatten Unterwasseranstrich schneller zu machen.
Rund 300.000 bis 800.000 Euro kosten die Yachten, doch das ist nur der Anfang: Oft sind von der Originalsubstanz kaum mehr als faule Planken und verrostete Spanten erhalten, oder die Rennyacht wurde zur komfortablen Motoryacht umgemodelt - ein Frevel. "Das Besondere an den 12ern ist ja gerade schlichte Eleganz", sagt Andreas Krause. "Jedes Teil hat eine Funktion, nichts ist überflüssig." Der Enkel des legendären Bootsdesigners Henry Rasmussen betreibt in Kiel eine Werft. Zurzeit werden dort vier alte 12er überholt.

Teil 2

  • FTD.de, 15.06.2008
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