Seit Tagen bestimmt ein einziges Thema unsere Mittagspause, das einer entspannten Nahrungsaufnahme so gar nicht förderlich ist: Magermodels. Ein ehrwürdiges deutsches Frauenmagazin ist schuld, dass die abgestandene Gretchenfrage um gertenschlanke Mädchen auf dem Catwalk erneut hochkocht.
Keine dürren Profi-Mannequins mehr, verfügte die Zeitschrift, dafür sollen normale Frauen mit normalen Körpern Strickjacken, Jeans und Blümchenkleider präsentieren. Sofort gab Karl Lagerfeld in hastigem Stakkato seinen Senf dazu - 'pro' dünn natürlich -, und als i-Tüpfelchen auf ‚Diät‘ betonte die Chefredakteurin einer selbst ernannten "Fashionbibel", sie wolle Mode nicht an Dicken sehen. Zumindest nicht fotografiert.
Ein neues Feindbild war rasch gepinselt - das mediale Adrenalin schäumte. Meine Kolleginnen schäumten auch ein wenig, als ich mich laut wunderte, wann eigentlich Schlanksein "unnormal" wurde und wo genau die befürchtete Magerkeitsepidemie grassierte. Nicht in Hamburger S-Bahnen, nicht beim größten Textilfilialisten, da ist meine Feldforschung eindeutig. Ich führte bereits mit 3:1 gegen die Kohlenhydrate, als ich weiterlas, wie die Magazin-Domina über Personalführung dachte. Eine Redaktion sei kein betreutes Wohnen, meinte sie, dass jeder 150 Prozent geben müsse und man niemanden mitschleppen könne. Wow, durchfuhr es mich, was bin ich weich. Ich lasse unsere Praktikanten tatsächlich etwas Festes essen und vor Mitternacht heimgehen. Vielleicht sollte ich bei der Dame Coachingstunden nehmen. Dafür müsste ich aber noch ein wenig abnehmen ...
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