Nach geltenden Regeln sind Computer im Plenarsaal des Bundestages verboten. Mit seinem iPad bewegt sich der Wirtschaftsminister in einer rechtlichen Grauzone - wie verwegen! von Anna Lu
Wir Menschen sind, im Allgemeinen, recht arme Würstchen: Unser Alltag foltert uns mit Ödnis, das Leben dosiert Spaß arg geizig. Dafür kassiert es selbst für diese Geizgabe gehörig ab.
Denn wollen wir mal ein bisschen heiter sein und Parolen an Nachbargaragen schmieren, Beamte beleidigen oder Motorhauben zerkratzen, kommt gleich der muskulöse Arm des Gesetzes herbei. Der gibt uns dann was auf den Deckel oder buchtet uns ein. Das Leben unter solchen Bedingungen aufregend zu kriegen: eine Herausforderung.
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle mit einem Apple iPad im Bundestag
Und so gelingt es nur wenigen Menschen, ihren Adrenalinspiegel ohne üble Konsequenzen hoch zu halten. Einer von ihnen ist unser Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Sehen Sie sich nur das Foto an: Ministerle drückt friedlich auf seinem Tablet-PC herum - Bundestagsidyll, denken Sie. Doch Obacht! Schnell entpuppt sich die Idylle als trügerisch.
Tatsächlich balanciert der FDP-Politiker am äußersten Rand des Gesetzes herum - schließlich sind Computer im Plenarsaal des Deutschen Bundestags verboten, die Dinger entsprechen ja nicht der Würde des Hauses. Einen Eklat hatte kürzlich bereits der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz provoziert, als er eine Rede nicht vom Blatt, sondern vom iPad ablas.
Nun fragt man sich: Zählt so ein iPad denn als Laptop? Es hat doch gar keinen Deckel? Ein Ausschuss befasst sich gerade - ohne Witz! - mit dieser Frage. Bis sie geklärt ist, bewegt sich Brüderle also in einer rechtlichen Grauzone. Diese bietet aber allen Komfort: Rebellion und Prestige in gleichen Mengen. Und ordentlich Verwegenheit.
Ein richtiger Nervenkrimi! Und ein Grund mehr, Männer wie Brüderle ins Parlament zu hieven - mit ihrem Einsatz in der Politik machen sie auch unser Leben ein klein bisschen aufregender.
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