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Merken   Drucken   06.06.2006, 11:00 Schriftgröße: AAA

Fluggäste mit Übergepäck bitte zum VIP-Schalter!

Ein Koffer ist kein Koffer - jedenfalls nicht, wenn er das legendärste Logo der Welt trägt. Wer sich bei Louis Vuitton ein Gepäckstück passend zum Charakter bestellt, wird eines Mythos teilhaftig. Lorenz Wagner traf Patrick Vuitton, Erfüller aller Extrawünsche.
Transportbox für 40 iPods plus Zubehör für Karl Lagerfeld   Transportbox für 40 iPods plus Zubehör für Karl Lagerfeld
Im Norden von Paris, dort wo die Stadt der Liebe hässlich ist, liegt eine Gasse, die sehr groß tut und sich Straße nennt: Rue Louis Vuitton. Und die Gasse ist nicht nur angeberisch, sie ist auch recht abweisend, an ihren Seiten ragen Wände und Zäune in die Höhe, und vor Stahl und Beton traut sich kaum ein Neugieriger mal in die Höfe und Häuser zu gucken, vor allem am Ende der Gasse, wo eine Kamera jeden möglichen Eindringling mustert und ein Messingschild verkündet: Louis Vuitton.
Und genau hier, hinter dieser kalten, gekalkten Fassade lässt sich Wundersames entdecken. Zunächst - noch mäßig wundersam - eine Manufaktur mit Weltruf. Hier fertigt Vuitton Taschen und Koffer, an deren Griff Politiker und Unternehmer hängen, Filmstars und Musiker, Töchterchen und Gattinnen, also Jacques Chirac, Madonna, Paris Hilton und wie sie alle heißen.
Und es lassen sich - das ist schon wundersamer - bei den Gepäckstücken einige ganz besondere Modelle entdecken, les commandes spéciales, die Sonderanfertigungen. Ein Köfferchen für iPods etwa, mit Kabeln in der Lederwand, sodass es überall Musik spielen kann für seinen neuen Herrn: Karl Lagerfeld. Und da ist ein Schrankkoffer, brusthoch, nur kurz darf er sich öffnen, denn darin strahlt Kalbsleder, weich und beige, und das mag keine Sonne. 120 Armbanduhren können darin einen Geschäftsmann begleiten, über den nichts verraten wird, außer dass er keine 120 Arme hat.
Patrick Vuitton, Chef der Abteilung für Spezialanfertigungen   Patrick Vuitton, Chef der Abteilung für Spezialanfertigungen
Das Erstaunlichste ist ein Mann mit schmatzender Pfeife und grauem Schnurrbart
Aber das Wundersamste, hier am Ende der Gasse, das ist nicht der Uhrenkoffer, auch nicht ein Reisehumidor für 1000 Havannas oder das Kofferbett mit Matratze aus Pferdehaar, das sich im Firmenmuseum schrecklich langweilen muss, hundert Jahre nach seiner Afrika-Reise, nein, das Erstaunlichste hier ist ein Mann mit schmatzender Pfeife und grauem Schnurrbart, Patrick, Urenkel Louis Vuittons und Erfüller all dieser drolligen Gepäckwünsche der reichen Leute.
Er hat ein Gesicht voller Lachen und einen runden Bauch, gerade ist er aus dem Urlaub heimgekehrt, im Hof knistert noch warm das Auto, in Biarritz war er, im Baskenland, und viel hat er da erlebt, so viel, dass er gleich davon erzählen muss, er beginnt mit dem ersten Reisetag, genauer gesagt mit dem ersten Abendessen, und er endet mit dem letzten Tag, also dem letzten Abendessen, und er schwärmt von gegrilltem Fisch und Schweinefüßen, von Apfelkuchen und Käsewundern, Mittagsmahl nach Mittagsmahl, Dîner nach Dîner listet er auf, und der Gipfel, das war eine Languste auf Entenmuscheln, "die Muscheln bemerkenswert gut, aber die Languste, sooo groß, fast ein Kilo schwer".
Und er schweigt, und seine Pfeife knastert, und draußen schwatzen die Vögel, und nisteten sie hier drinnen, man wunderte sich nicht in diesem Salon voller Luft und Licht, grün wie eine Sommerlichtung: Lindgrün, Laubgrün, Froschgrün, jedes Grün, das ein Pinselstrich hergibt, leuchtet hier, gemalte Blätter, Äste und Blumen ranken an der Decke, und die Lüster sind braungrünes Blattwerk in diesem Wohnwäldchen, in dem Patrick aufgewachsen ist, sieben Kilometer von der Notre-Dame entfernt und doch so weit weg. Als Patrick Kind war, besuchte ihn im Schlafzimmer oft eine Schleiereule.

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