Patrick Vuitton, Chef der Abteilung für Spezialanfertigungen
Das Erstaunlichste ist ein Mann mit schmatzender Pfeife und grauem SchnurrbartAber das Wundersamste, hier am Ende der Gasse, das ist nicht der Uhrenkoffer, auch nicht ein Reisehumidor für 1000 Havannas oder das Kofferbett mit Matratze aus Pferdehaar, das sich im Firmenmuseum schrecklich langweilen muss, hundert Jahre nach seiner Afrika-Reise, nein, das Erstaunlichste hier ist ein Mann mit schmatzender Pfeife und grauem Schnurrbart, Patrick, Urenkel Louis Vuittons und Erfüller all dieser drolligen Gepäckwünsche der reichen Leute.
Er hat ein Gesicht voller Lachen und einen runden Bauch, gerade ist er aus dem Urlaub heimgekehrt, im Hof knistert noch warm das Auto, in Biarritz war er, im Baskenland, und viel hat er da erlebt, so viel, dass er gleich davon erzählen muss, er beginnt mit dem ersten Reisetag, genauer gesagt mit dem ersten Abendessen, und er endet mit dem letzten Tag, also dem letzten Abendessen, und er schwärmt von gegrilltem Fisch und Schweinefüßen, von Apfelkuchen und Käsewundern, Mittagsmahl nach Mittagsmahl, Dîner nach Dîner listet er auf, und der Gipfel, das war eine Languste auf Entenmuscheln, "die Muscheln bemerkenswert gut, aber die Languste, sooo groß, fast ein Kilo schwer".
Und er schweigt, und seine Pfeife knastert, und draußen schwatzen die Vögel, und nisteten sie hier drinnen, man wunderte sich nicht in diesem Salon voller Luft und Licht, grün wie eine Sommerlichtung: Lindgrün, Laubgrün, Froschgrün, jedes Grün, das ein Pinselstrich hergibt, leuchtet hier, gemalte Blätter, Äste und Blumen ranken an der Decke, und die Lüster sind braungrünes Blattwerk in diesem Wohnwäldchen, in dem Patrick aufgewachsen ist, sieben Kilometer von der Notre-Dame entfernt und doch so weit weg. Als Patrick Kind war, besuchte ihn im Schlafzimmer oft eine Schleiereule.