So entdeckte ein sowjetischer Arzt, dass Muskeln auf Vibrationen mit Kontraktionen reagieren. Ein auf dieser Erkenntnis basierendes Rütteltraining hielt die Kosmonauten fit. Heute gibt es keine Mir mehr. Dafür gibt es Power-Plate. Eine vibrierende Platte, auf die man sich stellt, um Muskeln zu stählen. "Und das ohne Anstrengung!", verkündet der Hersteller.
Trainieren ohne Schwitzen, besser geht's ja gar nicht, frohlocke ich und wandere ins Hamburger Hotel Side, das als erstes Fünf-Sterne-Haus Übungen mit dem Rüttelpult anbietet. Der Mann, der die Maschine verwaltet, heißt Alexander Rakete - wie sonst soll jemand heißen, der über Space-Technologie herrscht. Herr Rakete erzählt mir, dass Madonna Power-Plate benutzt. Und die Fußballnationalmannschaft. Da kann ich nicht länger danebenstehen.
Ich soll mich bequem auf die Platte stellen. Für 30 Sekunden zittern 30 Hertz durch meinen Körper. Sehr angenehm, so kann es weitergehen. Doch dann fordert Herr Rakete mich auf, ein Bein in die Luft zu strecken. Ich muss erfahren, dass meine Muskeln nur wachsen, wenn ich sie auf dem Rüttelpult ordentlich anspanne.
Also doch Schweiß! Herr Rakete lässt mich Beugungen und Situps machen, lauter Übungen, die mir schon im Sportunterricht schwerfielen. Nur dass ich nun auch noch ein Erdbeben unter mir habe. Jeder Sportlehrer würde den Unterricht abbrechen, wenn die Erde bebt. Nicht Herr Rakete. Zuletzt befielt er sogar Liegestütze, dabei soll ich das Gerät von beiden Seiten packen. "Stellen Sie sich vor, Sie würden die Power-Plate zwischen Ihren Händen zerquetschen!" Haha, denke ich. Denn mehr, als mich gerade noch an der Platte festzukrallen, ist eindeutig nicht drin.
Ich bin so erschöpft, als wäre ein Hochhaus über mir kollabiert. Aber der Trainingseffekt ist nicht zu leugnen: Ich brauche eine Dusche. Herr Rakete ist zufrieden. Ein Glück, dass ich nicht mit ihm auf der Mir eingesperrt bin.