FTD.de » Lifestyle » Luxus » Globaler Heimvorteil

Merken   Drucken   07.03.2007, 10:00 Schriftgröße: AAA

Globaler Heimvorteil

Gestern London, heute Berlin, morgen New York - und immer zu Hause. Statt im Hotel aus dem Koffer zu leben, kaufen oder mieten moderne Nomaden ein Fünf-Sterne-Heim in der Fremde. Chris Löwer empfiehlt Apartments mit Hotelservice.
Das Penthouse", sagt Evelyn Bastos-Klein und legt den Kopf in den Nacken, "hat vor Kurzem eine Unternehmerin aus Mexiko gekauft." Ihr Blick zielt steil in den Himmel über Miamis Finanzviertel, ihr perfekt manikürter Zeigefinger deutet auf den 70. Stock des Four-Seasons-Hotels. "Eigentlich waren dort vier Apartments geplant, jedes in einer Ecke des Turms. Aber das war der Eigentümerin zu mickrig. Sie hat sie zusammenlegen lassen und verfügt nun über 600 Quadratmeter", fährt die PR-Managerin fort. 30 Millionen Dollar habe die Dame aus Mexiko in ihre Ferienwohnung, die sie auch Freunden und zahlenden Gäste überlässt, investiert. Um die Vermietung des Domizils kümmert sich das Management des Four Seasons. Aber zum Glück muss sich das Penthouse nicht allein durch Mieteinnahmen amortisieren. Das würde Jahrzehnte dauern.
Früher gestatteten Nobelherbergen allenfalls Showbiz-Größen wie Elvis Presley, Warren Beatty und Janis Joplin monate- oder gar jahrelange Aufenthalte. Heute ist alles möglich. Ein Heim mit Rundum-Hotelservice, aber eigenen Möbeln? Ist offenbar ein weitverbreitetes Bedürfnis. Kaum ein Urheber urbaner First-Class-Großprojekte widersteht der Verlockung, architektonisch wertvolle Eigentumswohnungen zum separaten Turm hochzustapeln.
Besonders deutlich zeichnet sich der Trend auf dem nordamerikanischen Kontinent ab. Das MGM Grand Hotel in Las Vegas eröffnete kürzlich fernab von Automatengeflimmer und 5-Dollar-Büfetts drei wohltuend dezent gestaltete "Signature"-Wolkenkratzer. Noch im Bau - geschätzte Kosten: 220 Millionen Dollar - befindet sich der segelförmige Trump Ocean Club an der Bucht von Panama. Bis Jahresende will der niederländische Designstar Marcel Wanders in Miami Beach einen Ableger des legendären Mondrian Hotels (Los Angeles) fertigstellen lassen. Interessenten müssen sich beeilen: Die Studios ab 400.000 Dollar gelten als Schnäppchen. Und wenn das legendäre Plaza Hotel an New Yorks Fifth Avenue im Oktober rechtzeitig zum 100. Geburtstag in renoviertem Glanz erstrahlt, blicken auch die Eigentümer von 182 Apartments (ab 1,5 Millionen Dollar) hinab auf den Central Park. Wie einst Hemingway oder die Vanderbilts.
Vor allem vermögende Nomaden lockt der neue Immobilientypus, sichert er doch trotz hoher Mobilität standesgemäße Unterkunft. Die Betten sind gemacht, der Kühlschrank stets nach Wunsch gefüllt, die Orchideen auf dem Couchtisch frisch. Das Stück Heimat in der Ferne verwöhnt mit Roomservice, Zimmermädchen sowie Gerichten aus der Gourmetküche des Hotels; Spa, Pool, Concierge und Gym befinden sich um die Ecke. Unschlagbar bequem. Das Hotel selbst wiederum profitiert von Verkauf oder Vermietung und Servicegebühren. Stimmen Lage, Design und Image, ist die Jagd unter weltweit verstreuten Kaufinteressenten schnell eröffnet.
So war es auch bei The Setai, einem Renommierprojekt von General Hotel Management (GHM). Die Gruppe hat bereits mit Adressen wie The Chedi in Oman und The Leela in Goa Maßstäbe gesetzt. Ungeachtet seiner Lage an Miamis Cruisingmeile Collins Avenue wirkt das The Setai wie die reinste Zen-Oase. Ein Widerspruch, der auch Lenny Kravitz fasziniert haben muss. Er ließ sich gleich ein komplettes Tonstudio in der Luxusherberge einrichten. Neben Tropengärten, Pools mit Meerblick und Suiten, die das Art déco von Schanghai auferstehen lassen, steht ein 40-stöckiger Residenzturm direkt am Strand zur Verfügung. Errichtet wurde der Komplex auf den Mauern des in den späten 30er-Jahren erbauten Dempsey Vanderbilt Hotels. Dunkles Teakholz, irisches Leinen, Bronzestatuetten und tiefbrauner Backstein aus Schanghai prägen das Ambiente. Zum Verkauf steht keine der Suiten mehr, aber mieten, das geht, sofern sich der Besitzer nicht gerade selbst in South Beach aufhält.
Auch in Deutschland wird das "Serviced Apartment" als Eigentum und Mietobjekt immer beliebter. Die derzeit kostspieligste Variante umsorgten Wohnens ist im Beisheim Center am Potsdamer Platz untergebracht, direkt über dem Ritz Carlton, das auf Wunsch mit seinem Fünf-Sterne-Plus-Service den Aufenthalt recht verführerisch macht. Zwischen 12. und 18. Stockwerk genießt man auf mindestens 290 Quadratmetern die Aussicht auf Reichstagskuppel, Brandenburger Tor, Gendarmenmarkt und Tiergarten - an dem weitere 36 Parkside-Apartments liegen, die durch einen unterirdischen Gang mit dem Hotel verbunden sind. "So können Speisen schnell und exakt temperiert in den heimischen Salon gebracht werden oder Bewohner und Gäste inkognito ins Haus gelangen, wenn es nötig ist", erzählt Makler Dirk Zabel.
Unter den Käufern finden sich namhafte deutsche Unternehmer, die ihre bis zu 670 Quadratmeter großen Apartments zum Repräsentieren nutzen, sowie Menschen mit Wohnsitzen auf der ganzen Welt, denen es 5000 Euro pro Quadratmeter wert ist, sich um nichts kümmern zu müssen, wenn sie in Berlin sind.
Die etwas kleinere Lösung bietet das Stadtdomizil Louisa's Place. In das schön sanierte klassizistische Haus aus dem Jahr 1904 zieht es Menschen, die eintönige Hotelzimmer leid sind und Räume mit Charakter ersehnen. 47 Suiten von bis zu 102 Quadratmetern stehen zur Auswahl, das Know-how einer großen Nobelherberge wird man auch hier nicht vermissen. Ob ein Hollywood-Schauspieler für zwei Drehmonate verweilt oder ein US-Opernsänger die Nächte seines zweiwöchigen Gastspiels hier verbringt, für Wäsche-, Einkaufs- und Büroservice ist gesorgt, eine Limousine steht auf Wunsch bereit, und "Private Dining" ist selbstverständlich. Manchem Gast fehlt zur vollkommenen seelischen Ausgeglichenheit jedoch noch das gewisse Etwas. Wie dem Opernsänger der Konzertflügel. Ein Manko, das Inhaber Sven Schimank unverzüglich zur Tat schreiten ließ. Kaum stand das Instrument in der Suite, gab es ein Minikonzert zum Dank: Puccinis "Nessun dorma"-Arie für die Belegschaft.
Schätzten bislang vor allem Geschäftsleute die neue Art des Wohnens, melden zunehmend auch Privatiers Interesse an. "Die Zimmer müssen deutlich größer als im Hotel und der Wohn- vom Schlafbereich getrennt sein. Größten Wert legt der Privatkunde auf exzellenten Service", sagt Anett Gregorius, Geschäftsführerin von Apartmentservice, einer unabhängigen Vermittlungsagentur für Serviced Apartments. Individuelle Ausstattung, ist sich Gregorius sicher, gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Im Louisa's Place darf man sein Apartment ummodeln, wie man will. Manche bringen beim Einzug Gemälde, andere Kerzenleuchter und Kissen mit. Ein Gast verwandelte seine Suite in einen japanischen Tempel, ein anderer machte es zur Kinderspielwiese. "Es geht eben um mehr als Schlafen und Zähneputzen. Unsere Gäste wollen wohnen", sagt Sven Schimank. Dazu gehört natürlich eine Küche. Allerdings dürfte bei den Bewohnern des Louisa's Place öfter mal der eigene Herd kalt bleiben, denn über den Hotelflur erreicht man das in der Hauptstadt hochgelobte Restaurant Balthazar von Holger Zurbrüggen. Außerdem: Bibliothek, Spa, schöner Pool. Alles da.
Und doch ist nichts protzig. Die Lobby wirkt von außen wie der Eingang eines normalen Berliner Altbaus, und in der holzvertäfelten Bibliothek sitzt man so gemütlich wie im eigenen lampenschirmschummrigen Wohnzimmer. "Wer Aufmerksamkeit und Trubel will, geht ins Adlon. Das ist aber nicht unsere Welt", erzählt Schimank. "Eine unserer Spezialitäten besteht darin, unsere Gäste auf Wunsch so perfekt abzuschirmen, wie es nur in einem kleinen, privaten Haus möglich ist. Da sind wir besser als die CIA."
Was alle High-End-Unterkünfte miteinander verbindet: der einst verbreitete Lebensstil einer Oberschicht, die mit dem halben Haushalt samt Personal in die Sommerfrische aufbrach. Anfang der 90er-Jahre ließen erste Häuser in London diesen Hauch von Empire und Adel mit Räumlichkeiten aufleben, in denen ganze Familien mitten im Gewusel der Großstadt bequem residieren konnten. Etwa im 51 Buckingham Gate der Taj-Gruppe. Eine Suite mit drei Schlafzimmern, zwei Bädern und Küche in der ehemaligen Gästeresidenz des Königshauses, unweit von Buckingham Palace, kostet etwa 1100 Euro pro Nacht. Die Herberge gehört zur Vereinigung Exclusive Resorts, die ihren Mitgliedern gegen 375.000 Dollar Jahresbeitrag weltweit zu privatem Wohnen nebst Rundum-sorglos-Service verhilft.
Broker, Immobilienmakler und der junge Geldadel suchen ihre Londoner Bleibe eher in den Docklands entlang der Themse. Am besten, die Adresse heißt No. 1 West India Quay. Schon das Entree zu den Eigentumswohnungen verrät: Hier wohnen Liebhaber modernen Designs. Wie Minimal-Art-Skulpturen leuchten die fliederfarbenen Glassäulen in der Lobby. Dabei sind bloß Briefkästen darin untergebracht. In dem mit 33 Stockwerken höchsten Wohngebäude Londons sitzt man im Musterapartment auf Mies van der Rohes Barcelona Chair und genießt den Blick auf die Stadt. Nach Sonnenuntergang tauchen Lampen von Flos und Mooi das Mobiliar von B&B Italia in sanftes Licht. Die bis zu 300 Quadratmeter großen Apartments sind offen geschnitten, Schlafzimmer und Wohnbereich trennt ein pastellfarbener Vorhang aus Rosshaar. Das sind natürlich nur Vorschläge. Das Designteam hilft gern bei der Umsetzung eigener Ideen. So viel Dienstleistung muss sein. Den übrigen Fünf-Sterne-Service von der Overnight-Wäscherei bis zum Blumenarrangement beziehen die Bewohner der 47 Serviced Apartments aus dem Marriott Hotel im gleichen Gebäude. Leider sind die Apartments vergeben und allenfalls noch zwei von den sechs Penthouses, die als Maisonettes den Bau krönen, für 2,15 beziehungsweise 2,95 Millionen britische Pfund zu haben.
In New York, wo stattliche Wohnungen in guter Lage kaum noch für unter 10 Millionen Dollar den Besitzer wechseln, hat Designhotel-Erfinder Ian Schrager zwei Sahnestücke aus dem Immobilienkuchen geschnitten. Zu Teilen war sein Projekt 50 Gramercy Park North bereits im vergangenen Juli bezugsfertig. Das 83 Jahre alte Gebäude, für dessen Re-Design er Stararchitekt John Pawson engagierte, steht exakt an dem Fleck, an dem 1862 die Schriftstellerin Edith Wharton geboren wurde. In der Nachbarschaft lebten einst zahlreiche Stars aus Wirtschaft und Politik: die Astors, die Roosevelts, die Rockefellers. Im angrenzenden Gramercy Park Hotel, zu dem alle Bewohner einen Privatzutritt haben, heiratete Humphrey Bogart, Frank Sinatra und Cary Grant diente es als zweites Wohnzimmer. In Schragers 23 Residenzen mit Blick auf New Yorks einzigen Privatpark herrscht moderne Eleganz. Helle Eichenböden, raumhohe Fenster, Kirschholz und Kamin vermitteln Aufgeschlossenheit und Behaglichkeit, Küche und Bad setzen auf Nachhaltiges aus deutschen Landen: Technik von Miele, Badewannen von Kaldewei, Accessoires von Dornbracht und Duravit.
Schragers zweite, spektakulärere Immobilie soll noch in diesem Jahr eröffnen. 40 Bond heißt das Bauwerk aus Glas und Stahl, für das sich die Architekten Herzog & de Meuren von der gusseisernen Industriearchitektur in Soho inspirieren ließen: Das futuristische Gebäude mitsamt seiner gaudíesken Torskulptur aus Gussaluminium ist eine radikale Abstraktion berühmter Gründerzeitdenkmäler. Auf elf Geschossen finden 27 Apartments und ein Penthouse Platz, dazu kommen fünf Townhouses mit privaten Gärten - seit Jahrzehnten die ersten New Yorker Stadthäuser, die völlig neu gebaut werden. Konstantin Grcic entwarf die Türgriffe, viele Features erinnern an 50 Gramercy, aber auch andere Visionen können verwirklicht werden. Die Fürsorge sogenannter Lifestylemanager, etwa Baby- und Hundesitting, fehlt ebenso wenig wie der Einkaufs-, Reinigungs- und Botenservice. Renovierung? Party planen? Kein Problem. Willkommen zu Hause!
  • FTD.de, 07.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  Bilderserie Eurovision Song Contest Das war der ESC 2012
  20.05. Das will ich auch Der Wetlook von François Hollande
Das will ich auch: Der Wetlook von François Hollande

Oh, là, là, Monsieur Hollande! Wet-T-Shirt-Look in Hemd und Anzug. Feuchtglänzender Zwirn, eng an den Körper geschmiegt, optisch ganz nah dran an Lack und Leder. Und das in den ersten Tagen im Amt als neuer französischer Präsident. Das hätte dem Mann niemand zugetraut. mehr

  21.05. Elektrisch unterwegs Einparken mit dem Opel Ampera
Elektrisch unterwegs: Einparken mit dem Opel Ampera

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Opel Ampera. mehr

14 Bewertungen  

Mehr zu: Ampera, Einparken, Opel

  26.02. Quiz Kennen Sie die Oscars?

In Hollywood werden zum 84. Mal die begehrten Goldjungen vergeben. Testen Sie Ihr Wissen über eines der größten TV-Spektakel des Jahres.

Frech wie Oscar: Schon vor der Verleihung gab es den ersten Skandal. Der ursprünglich als Produzent vorgesehene Brett Ratner musste sein Amt wegen kontroverser Äußerungen aufgeben. Was hatte Ratner gesagt?

Quiz: Kennen Sie die Oscars?

Alle Tests

LUXUS

mehr Luxus

REISE

mehr Reise

ENTERTAINMENT

mehr Entertainment

OUT OF OFFICE

mehr Out of Office

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote