Illustration: Daniel Matzenbacher
Sie trugen Latzhosen, verwaschene Sweatshirts, halb verweste Turnschuhe und lange Haare, egal ob Mädchen oder Junge. Sie rauchten Selbstgedrehte mit Tabak der Marke Drum oder Javaanse Jongens, die Mädchen mochten hennarote Mähnen, unrasierte Beine und schminkten sich nicht, die Jungs fuhren Opas klappriges Herrenrad aus dem Ersten Weltkrieg.
Diese Hippies waren immer pleite, sie fuhren nie Taxi, rochen nicht lecker, und sie mochten Bap. Eigentlich taten sie alles, was ich hasste. Ihr größter gemeinsamer Nenner war die Abscheu gegen Atomkraft, und ihre gelben Aufkleber waren allgegenwärtig: auf Latzhosen und vergilbten Secondhand-Lederjacken, auf Schultaschen, Heften, Fahrrädern.
Manchmal ging meine halbe Klasse auf eine Demo oder fuhr ins Atomkraftgegner-Zeltlager, wo sie bei Grillwurst über Gorleben diskutierte. Ich fand die Hippies abstoßend, und ihr Anti-Atomkraft-Getue nervte mich unendlich. Ich war 15 und wollte teure Klamotten, coole Uhren, ein blaues Mofa von Puch, ich wollte rote Marlboros rauchen und genug Kohle, um mir beim Schuleschwänzen einen schönen Tag in der City machen zu können.