Christophe Laudamiel
Financial Times Deutschland: Herr Laudamiel, derzeit werden Damendüfte holziger, bei den Männern kommen Blumen zum Einsatz. Eine Entwicklung mit Zukunft?
Christophe Laudamiel: Eher eine Welle. Lange dominierten transparente, fruchtige, unkomplizierte Düfte. Die Zielgruppe waren 20-Jährige. Zehn Jahre später wollen die aber ernstere Düfte. Die Nischenparfüms haben Frauen mittlerweile an mystische Retronoten gewöhnt, an Amber, an Edelhölzer. Dem folgen nun die großen Marken. Für Männer galt: frisch oder Fougère, eine Komposition aus Lavendel, Eichenmoos und Kumarin. Jetzt wird auch mit untypischen Duftfamilien experimentiert. Man entdeckt: Parfüms sind flexibler als Mode!
FTD: Wird Qualitätsparfüm zum Luxusgut, das sich nur noch wenige Menschen leisten können? Und die Masse riecht uniform?
Laudamiel: Vieles spricht dafür. Es wird Allerweltsdüfte und Projekte für Kenner geben, die kontroverse Düfte schätzen. Immer speziellere Unikate, die zum Charakter, zur Situation und Umgebung passen, etwa zum Haus oder ins Auto.
FTD: Klingt, als ob Sie und Ihre Kollegen viel zu tun bekommen.
Laudamiel: Und das bereits in den nächsten zehn Jahren. Ich höre viel von Forschungsarbeiten zum Geruchssinn. Biologen, Neurologen, Chemiker, Psychologen finden das Thema spannend und zukunftsträchtig. Aber sie sind keine Parfümeure, sie kennen sich nicht mit Düften aus.
FTD: Dabei ist unser Alltag schon jetzt mit Duftstoffen überfrachtet, nur unser Geruchssinn kommt nicht mit.
Laudamiel: Auch das wird sich ändern. Wir bereiten eine Pilotstudie zur Erziehung des Geruchssinns an 2000 Grundschulen in den USA und Europa vor. Die Kinder spielen mit der Nase und lernen: Wie riechen eine Erdbeere, ein Apfel, verschiedene Hölzer? Sie lernen Duftfamilien kennen.
FTD: Die Menschen werden immer älter. Können Düfte beim Altern helfen?
Laudamiel: Studien belegen, dass das Riechen eine Art Aerobic fürs Gehirn ist, ein Work-out, der neue Neuronenverbindungen schafft.
FTD: Sie haben einen Wunsch frei: Heute in 100 Jahren ...
Laudamiel: ... spielen Düfte eine ebenso wichtige Rolle in unserem Leben, wie es Farben heute tun.