Bernie Krause durchstreift die Wildnis, um die Geräusche der Natur aufzunehmen
Krause: Das ist der Sound, den die verschiedensten Tiere in einem Revier von sich geben, um sich voneinander abzugrenzen oder zu kommunizieren. Es heißt ja, ein Bild sage mehr als tausend Worte. Aber ich bin überzeugt, ein Geräusch sagt mehr als tausend Bilder. In unserer westlichen Kultur haben wir nur verlernt, die Geräusche zu deuten.
FTD: Verarbeitet unser Hirn nicht vor allem visuelle Reize?
Krause: Das ist kulturabhängig. Die Ba'Aka-Pygmäen in Zentralafrika setzen ihre Sinne viel gleichmäßiger ein als wir. Wenn sie nachts im Dschungel sechs, sieben Kilometer auf Jagd gehen, ist das Laub so dicht, dass kein Mondlicht, nicht mal der Schimmer der Sterne, durchdringt und sie sich ganz auf ihr Gehör verlassen. Sie können auf 500 Meter Entfernung bestimmen, was für ein Tier vor ihnen ist und in welche Richtung es sich bewegt.
FTD: Wie haben Sie gelernt, sich in solchen Situationen zu bewegen?
Krause: Man fängt schnell an, die akustischen Nachrichten zu entschlüsseln. Die Geräuschkulisse ändert sich zum Beispiel sofort, wenn ein Raubtier in ein Gebiet kommt.
FTD: Haben Sie bei Ihren Aufnahmen eine Waffe dabei?
Krause: Ganz selten. Gefährlich kann es nur werden, wenn ich die Konzentration verliere oder aufs Falsche konzentriert bin.